Inge Offermann

Oktobersommer 2011 in Wissembourg

Noch verweilen möchte der Sommer.
Sein Sonnenatem mischt sich mit Nebel,
um sich dann im Morgenblau aufzulösen.
Streifzug durch Herbstfelder.
Unter ausladenden Bäumen
liegen Nüsse und Birnen im Grase.
Obstgeruch, süß und schwer.
Am Wegrain sonnt sich ein
samtiger Admiral im Labkraut.
Leer die dürren Kelchblätter
des Taubenkropfes, wo
vorher weiße Blüten waren.
Ein Tagpfauenauge fliegt
Zottige Weidenröschen an:
Braunes Flügelschillern auf
Purpurblüten mit weißen Staubfäden.
Violetter und weißer Beinwell
blüht dickblättrig an Gräben.
Kohlweißlinge gaukeln
flügelleicht zu Wegwarten.
Goldene Kolben schauen
aus faserigen Hüllblättern,
an jedem Ende ein dunkler Schopf.
Munter ranken Trichterwinden
an Maisstängeln hoch.
Flockenblumen strahlen
zwischen Herbstrispen.
Sonnenpause am Stadtwall.
Licht ruht auf Eichengrün
Schotenbehangen neigen
sich grüne Robinienäste.
Bald weinen sie Goldtränen.
Blumenufer am Bachlauf.
In einer Kapelle Farbträume
von Glasfenstern und
bunte Netzgehänge,
besteckt mit Federn,
Samen und Goldstoff.
Beim Eingang das
Gesicht des Herbstes
aus Bleiglasmosaik.
In der Kirche ein Altar
aus Früchten und Blumen
der Region – Erntedank.
Zwiebeln, Kartoffeln,
Esskastanien, Kürbis,
Sonnenblumen, Trauben,
Obst und weinrote Ranken.
Buntes Arrangement.
Eine Kunstausstellung
fängt ein die Farben des
Sommers und Herbstes:
Ein Sommergarten
mit Mohnblumen,
Sonnenblumen
und Rittersporn,
taukalte Frühstimmung
mit Herbstgräsern,
Rotgoldbäume
in Frostfeldern,
Winterdächer
bei Frührot und
ein träumendes
Schneedorf in
Nachtschatten.
Einstimmung auf
die Jahresneige.
Bleibe, Oktobersommer,
strahle noch weiter in
Malven und Goldruten,
in Schafgarbe und Rainfarn.
Ziehe nicht fort mit den
leuchtenden Abendwolken,
sonnenwarm verlief der Tag
und träumte oktobergolden.
 
© Inge Hornisch
 

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