Andreas Vierk

Der Schlaf und der Regen X - XII


X

 

Im weißen Fensterkreuz ertrinkt ein Mond

vom dunklen Messing einer alten Münze -

 

Dorthin weist deine somnambule Hand,

die Fläche mit der Lebenslinie

geöffnet. Nach oben in die Nacht gewandt.

Tropfen fallen von den Fingerspitzen

und Simsen in den Abgrund der Straße,

deren Sturz so weit erscheint und braun

- dir, in der schwebenden Mitte des Schlafs -

wie dieser ferne erstaunliche Mond -

 

 

 

XI

 

Die Straße neigt sich: - Mit tauben Fingern

greifen Bäume in die schlafenden Zimmer,

streichen über Uhren und wecken sie nicht: -

 

wenn nämlich der Mond in den schwankenden

Erdschatten eintritt und verschwindet,

stemmen sich die Mauern gegen Dunkelheit

und den haltlos fallenden Regen;

in den Scheiben und auf Simsen träumende

Hände, wie früher Schnee: - deine Hände

blickend auf das erloschene Haus

des Mondes. Und langsam ungestillt gleitend

zurück in den von Möbeln umstellten Schlaf -

 

 

 

XII

 

Alles ist gefallen: - die Rose,

in ihrem Aufruhr unter den Lidern

von schweren Regentropfen, der Mond.

Der Regen hat sich zu Tod gestürzt,

im Feuer verbrennt sich die Nacht -

 

Endlich und wirklich bist du erwacht:

mit schrecklichen Händen greift dich der Tag,

vor seinem Ansturm staunst du erst,

vor seiner Asche taumelst du und fällst,

dann erst, gewöhnt an sein strenges Gesicht,

durchschwingt dich der Schmerz wie eine Glocke -

 

 

 

 

 


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Andreas Vierk schreibt seit seinem zehnten Lebensjahr Prosa und Lyrik. Er verfasste die meisten der Gedichte des „Septemberstrands“ in den Jahren 2013 und 2014.

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