Ingrid E. Patrick

Fünf kleine Tannenbäume

Die Nacht war kalt.
Der Frost machte Halt
in dem kleinen Wald
hinter meinem Häuschen.
 
Ich ging spazieren,
warm angezogen,
um nicht zu frieren.
Dann machte ich ein Päuschen
und blieb stehen.
Ich wollte sehen,
wer da knisterte
und flüsterte.
 
Sie waren noch so klein,
doch im hellen Mondenschein
konnte ich sie erkennen:
Ich fand
fünf kleine Tannenbäume,
stehend am Waldesrand,
nebeneinander, ohne Zäune,
die sie trennen.
 
Das eine Bäumchen sprach: Schaut mal den Schnee!
Das zweite flüsterte: mir ist so kalt, oh weh!
Das dritte sagte: Weihnachten steht vor der Tür.
Das vierte seufzte: Kommt man zum Dekorieren auch zu mir?
Das fünfte Bäumchen erwiderte: Das wünschen wir uns alle hier.
 
Dann war es still im Wald.
Mir wurde langsam kalt.
Auf dem Weg zu meinem warmen Heim
fiel mir das Gehörte wieder ein.
Ich begriff, dass Bäume leben,
sich wünschen, dass wir sie auch pflegen,
nicht ausreissen für ein Fest,
man sie lieber weiterleben lässt.
In meinem Zimmer
steht seitdem
ein Weihnachtsbäumchen nimmer.
 
Vor meinem Fenster, eingepflanzt im Garten,
kann es Weihnachten getrost erwarten.
Damit es im Winter auch nicht friert,
wird es liebevoll dekoriert.

*********
 
Ich seh es wachsen und gedeihen –
in der Natur, der freien.
Ich werd das ganze Jahr belohnt
mit immergrünen Zweigen,
weil es bei mir mit Wurzeln wohnt.
 
Wie in einem Haus bietet es Etagen,
von den eigenen Zweigen getragen.
Es lädt zum Wohnen ein,
lässt Eichhörnchen und Vögel gern herein,
spendet Schutz und Schatten
denen, die woanders kein Heim mehr hatten.
 
Tannen sind der Menschheit ähnlich,
tragen Zapfen, weiblich und auch männlich,
die auf Zweigen aufrecht stehen –
eine Haltung, wie wir Menschen gehen.

 
© Patty Patrick
Dezember 2012

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