Florence Siwak

Weihnachten - ein Spiel in 3 Aufzügen



 
Vorspiel:
Der Anlauf ist lang –
   und kostet viel Kraft
Weil das, was man vornahm,
   kaum einer schafft
 
Die Kuchen und Kekse -
   nur selbst gemacht zählt.
Familie muss helfen,
   sie tut’s – doch gequält
 
Man lädt sich Besuch ein,
   weil man das so macht
Viel lieber da schlief‘ ich,
   hat so mancher gedacht
 
Geschenke – so 17
   braucht man dieses Jahr.
Weil – jeder erhofft was,
   das ist sonnenklar
 
Es werden mit Andacht
   bunte Bänder gekräuselt.
„Frohes Fest“ wo man hinkommt,
   verkniffen gesäuselt.
 
Ach – nicht nur für Weihnachten –
   auch für Advent
man tagelang bastelt und backt
   und auch rennt
 
So selig, so heilig,
   so fröhlich und still
wird man akustisch berieselt
   auch wenn man’s nicht will
 
Die Kerzen, die Tanne,
   Lametta! das fehlt!
Der Sekt und das Schnäpschen,
   auch wenn Opa krakeelt
 
Fast hätte man nicht mehr
   an das Gänschen gedacht!
Im Oktober bestellt,
   da hat‘s noch gelacht
 
Am Heiligen Abend dann –
   kurz vor halb drei
Geschäfte geschlossen -
   jetzt ist man frei
 
für den
 
Festakt:
Geschenke verteilen! –
   Du gibst mir – ich geb‘ dir!
Man raschelt und knistert
   mit dem teuren Papier
 
Man liegt sich im Arm
   und küsst sich die Wangen!
Der schönste Moment
   für alle seit langem
 
Das Essen – die Pracht!
   So knusprig und zart,
der Nachtisch so fluffig -
   voll Aroma apart
 
Ein kleiner Disput
   hat beim Fest Tradition.
Die Oma, die zickt
   und brüllt mit viel Phon
 
Nach gut einer Stunde
   da fällt man ins Leere.
Man sinkt in die Sessel,
   vorbei die Affäre!
 
Nachspiel:
Es kreißte der Berg
   und gebar eine Maus.
Orgiastische Hektik
   gab’s seit Wochen im Haus
 
Müde, schlapp und ausgelaugt
   sitzt man stoisch vor dem Rest.
Zuviel Stress und Marzipan
   versüßten dieses Fest
 
Jeder will auf seine Art
   die Leere nun verstecken.
Um alleine ganz für sich
   die Wunden still zu lecken.
 
 
       Dann sagt man’s dem, der’s hören will:
       „Nächstes Jahr wird’s ruhig und still!“
       Am 6. fällt dann unser Baum
       aus dem Fenster – aus der Traum!

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 05.12.2012. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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