Jana Doe

Prinzessinnenunsinn



Es war einmal, vor langer Zeit -
eine Prinzessin, in einem indigoblauen Kleid.
Ein lästiger Gedanke ihr vorschwebte –
sie wollte den Prinzen, der in einer Stadt hinter den Sternen lebte.

Mit einer Raumfähre konnte sie die verzauberte Stadt erreichen,
doch sie besaß nur ein Mofa mit kaputten Speichen.
Die Sehnsucht war stärker als ihr Verstand,
und sie fuhr mit dem Mofa ins Traumzauberland.

Als sie glücklich über eine Landstraße schredderte,
sich plötzlich ihr indigoblaues Kleid in den Speichen verhedderte.
Ratzzz-fatzzzz – welch ein Leid -
die Prinzessin hatte nur noch ein Minikleid!

Und ganz allein, im dunklen Wald,
mit so wenig Stoff, da wurde es kalt…
Nein, erkälten wollte sie sich nicht –
doch da in der Ferne schimmerte ein Licht.

Der ideale Ort, für einen kurzen Stop –
eine Tankstelle, mit einem kleinen Shop.
Erleichtert steuerte sie die Tanke an,
in dem Geschäft war nur der Verkäufer – und ein schöner fremder Mann.

Er befand sich in der Ecke beim Zeitschriftenstand
und hielt eine unkeusche Zeitung in der Hand.
Die Prinzessin kam neben dem Mann zum Stehen,
wies auf die Zeitung und fragte: „Darf ich die auch mal ansehen?“

Der junge Mann wich erschrocken zurück,
lächelte errötend – welch ein Glück:
Diese fremde Prinzessin hier,
war viel schöner als das Covergirl auf dem Papier!
Und sie sah auch viel besser aus,
als die erotischen Models, welche die Wände zierten, in seinem Haus.

Er musterte die Prinzessin mit feuriger Gier
und flüsterte heiser: „Mädchen, ich will dich jetzt und hier!“.
Die leidenschaftlichen Worte schmeichelten der Prinzessin sehr –
ja sie wollte diesen Mann, und sie wollte auch mehr!

Der Fremde freute sich fürchterlich
und sagte glücklich:
„Ich heiße Gerd,
und da draußen steht mein Pferd“.

So nahm das Schicksal seinen Lauf,
die Prinzessin schaute lächelnd zu Gerd auf.
Sie ließ ihr Mofa stehen und ihre Pläne liegen –
um mit Gerd zu den Sternen zu fliegen.


Vor der Tankstelle stand, an einem Zaunpfahl angepflockt,
Hans-Petra - ein schwarzer Wallach, der gerne mal bockt.
Als Hans-Petra die Prinzessin sah,
wusste er nicht, wie ihm geschah.
Ein eifersüchtiger Blitz durchzuckte ihn tief
und er rief: 

„Gerd, du weißt nicht, wie sehr du mich kränkst.
Ich bezweifle, ob ich eine Stute bin, oder ein Hengst.
Doch ich fühle, du bist mein Traummann
und jetzt schleppst du diese fremde Dirne an!
Außerdem bin ich ein Pferd das sprechen kann–
diese Tatsache erfüllt dich vielleicht mit Entzücken,
doch für mich ist es belastend, wie ein Sack Kartoffeln auf dem Rücken.“


Gerd reagierte zunächst überrascht, dann voller Wut –
seit wann hatte dieser verdammte Gaul so viel Mut?
Mit strengen Worten bremste er des Pferdes zornige Glut:
„Halt dein Maul, Gaul!“, sagte Gerd
und schlug mit der Gerte sanft auf das Pferd.

Als die Prinzessin schließlich auf Hans-Petra saß,
gab der Wallach plötzlich wütend Gas.
Er bäumte sich auf und die Prinzessin fiel ohne einen Ton,
durch einen Gulli ohne Deckel - direkt in die Kanalisation!

Das Pferd Hans-Petra wieherte froh
und Gerd freute sich ebenso.
Denn als er Hans-Petras Eifersucht spürte,
merkte er, wie ihn das tief berührte.  

Zwar weckte die Prinzessin in ihm Sehnsucht und Gier,
doch sein verwirrtes Herz gehörte dem Tier. 
Er war sehr glücklich über die gute Wahl -
die Prinzessin im Kanal war ihm ziemlich egal.

Doch die machte sich nichts draus
und rief -  „Ich möchte hier auch überhaupt nicht raus!
Und dich will ich auch nicht – 
denn… was bist du für ein Mann,
der sich nicht zwischen mir und seinem Pferd entscheiden kann?!“

Die Prinzessin schaute hinauf zu dem Licht -
dort oben stand Gerd, mit verwundertem Gesicht.

Als die Prinzessin nicht weinte,
stieg er auf Hans-Petra und meinte:
„Ach, ich liebe unkomplizierte Frauen - 
schwing die Hufe und lass uns abhauen!“.  

Die Prinzessin blieb im Kanal zurück, 
erfüllt von unterirdischem Glück.
Tja ihr lieben Leute, 
wenn sie nicht gestorben ist, dann tanzt sie noch heute
voller Freude durch die Dunkelheit,
in ihrem indigoblauen Kleid.


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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 13.01.2013. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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