Poesie des Blutes
Dein Schweigen
Von
Nando Hungerbühler

Ruhe ist in mein Leben eingekehrt,
wunderschöne Stille hat sich ausgebreitet.
Kein Wort dringt mehr an mein Ohr,
dein Mund ist für Ewig verstorben.
Dein Schweigen habe ich erzwungen,
den Preis des Blutes willig bezahlt.

Bis ins Mark ging mir deine Stimme,
lernte ihren Klang zu Hassen.
Worte ohne Sinn hast du gesprochen,
mein Leben mit deinen Ergüssen verpestet.
Nicht erhört hast du meine Bitte nach Ruhe,
deine Quelle der Worte wollte nicht versiegen.

Meiner Warnung wolltest du kein gehör schenken,
so kam der Tag der kommen musste.
Ein Schlag der Befreiung wurde getan,
dein Gesicht durch meine Faust zerschmettert.
Voller Schmerzen gingst du nieder,
Freude kam in meinem Herzen auf.

Angsterfüllt flehtest du mich an,
keine Gewalt wolltest du mehr erfahren.
Deinen Worten schenkte ich kein gehör,
wie du auch mein Bitten nie erhört hast.
Dein Schweigen würde kommen,
gewaltsam werde ich es mir zum Geschenke machen.

Voller Reinheit glänzte die Nadel im Lichte,
deren Tun sich meinem dunklen Geiste unterwarf.
Mit unstillbarer Lust ließ ich sie in dein Fleische stechen,
langsam deine Blutigen Lippen durchbohren.
Ein sanfter Faden verschloss deinen Mund,
ließ die Worte ohne Sinn in ihm vergehen.

Als Sieger wähnte ich mich,
dachte dein Schweigen wäre erreicht.
Doch noch konnte ich dein Wimmern vernehmen,
dein Schmerzerfülltes Stöhnen hören.
Ich erkannte dass es noch nicht zu Ende war,
dass mein Wunsch nach Ruhe noch eine letzte Tat forderte.

Ich blickte dir in die Tränenreichen Augen,
ergötze mich an deiner Angst.
Das von mir begehrte Schweigen wurde nicht gebrochen,
ohne Worte sprach ich mit dir.
Du wusstest was kommen würde,
dein Tod würde mir dein Schweigen bringen.

Voller Schönheit schwang die Axt,
das Werkzeug der Erfüllung meines Wunsches.
Ging alles zerschmetternd auf deinem Kopfe nieder,
öffnete Blutend das Nest deiner Worte.
Offenbarte meinem Blick dein Innerstes,
in dem bald die Ruhe herrschen würde.

Dein Kampf währte lange,
wolltest nicht aus diesem Leben weichen.
Jeder deiner Zuckungen wurde von mir gesehen,
dein Tanz mit dem Tode Faszinierte mich.
Die Neugierde eines Kindes schlich in mein Herz,
dein Sterben war meine Unterhaltung.

Aus deinem Munde drang ein Gurgeln,
als ob dein Letztes Wort darin geboren wurde.
Die Gier nach dem Wissen überkam mich,
wollte erfahren was du zu sagen hattest.
Die Fäden riss ich aus deinem Fleische,
öffnete deinen Mund und wollte dein Schweigen brechen.

Kein Wort wurde geboren,
zu Tage trat ein wunderschöner Schwall aus Blut.
Die Musik deines Lebens verstummte,
der Kampf in deinem Leibe endete.
Blut umkreiste deinen Zerschmetterten Schädel,
dein Schweigen kam und so schön warst du noch nie.

Wahr ist nun mein Wunsch geworden,
von Ruhe umgeben Sitze ich im Blutbefleckten Raum.
Die Stille um mich herum ist wunderschön,
dein Toter Körper eine Poesie der Ruhe.
Perfekt ist nun mein Leben,
die Liebe zu dir so Stark wie noch nie.

Ende

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 29.01.2004. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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