Wolf-Rüdiger Guthmann

Trinkgewohnheiten

  Die ersten Menschen, das ist bekannt,
tranken noch aus hohler Hand.
Später schnitzten sie dann voller Stolz
Kellen sich aus weichem Holz.
Bis hierher hatten sie noch klare Gedanken,
weil sie nur reines Wasser tranken.
Erst am Feuer konnten sie dann nehm
Schälchen aus gebranntem Lehm.
Sie konnten so den Met ausschlürfen,
wie es noch heut Chinesen dürfen.
 
Die Griechen haben Wein gegoren
und tranken ihn gleich aus Amphoren.
Die Deutschen ließen sich nicht lumpen
und soffen Wein aus ihren Humpen.
Weil der Wein sehr sauer hier,
brauten sie sich lieber Bier.
Später gab’ s dann aus dem Fass
alles in ein schönes Glas.
Edles Glas kann man vererben,
doch es gibt auch oftmals Scherben.
 
Und nach Deutschlands Wahn und Schand
gab’ s bald Pappbecher mit Rand.
Jetzt wird die Plaste legitimiert
und selbst das Sektglas imitiert.
Für Eierlikör gab’ s glasierte Waffelbecher,
nichts für späte Zungenbrecher.
Jetzt muss er ganz schwarz und fein
aus bester Schokolade sein.
Ob Waffel, Glas oder gar Zinn
wir nehmen jeden Becher hin.
 
Hauptsache er ist gefüllt,
damit er uns den Durst auch stillt.
Wir trinken Bier, Wein, Schnaps,
Sekt, Whisky, selbst Likör aus Raps.
Wobei man sich beeilen muss,
denn mit dem Raps fährt jetzt der Bus.
Ob Eierbecher oder Henkelgläschen,
wir trinken selbst aus des Käfers Väschen.
Die Flaschen sind extrem geformt,
nur die Öffnung ist noch genormt.
 
Manche hat selbst Henkel dran  
und nennt sich eine Kruke dann.
Mal ist sie ein gebogenes Rohr,
oder kommt als Kalaschnikow vor.
Selten ist zwar Gold im Bauch,
doch Büffelgräser machen’ s auch.
Wir trinken heiß, gemixt, gesüßt
wenn Rum aus Kuba uns begrüßt.
Doch jetzt ist es genug belebt,
weil mir die Zunge am Gaumen klebt.
Ich mache nun ne lange Pause
und trinke lieber ne rote Brause.
 
03.03.2013 ©  Wolf-Rüdiger Guthmann

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