Inge Hoppe-Grabinger

Die Uhren des Kaisers



Es war einmal ein Kaiser,  *)
der aß so gern und viel,
er wurde älter, nicht weiser,
ein noch reicheres Reich war sein Ziel.

Er aß zu viele Pasteten
und Austern, so geht der Bericht,
er soff Bier, eiskalt, statt zu beten,
und schließlich bekam er die Gicht.

Er konnte den Becher kaum halten,
der Schmerz ließ ihn nie wieder  los,
das Blut begann zu erkalten,
die Hände verkrüppelt im Schoß.

Da kaufte er viele Uhren,
die kamen von nah und fern,
wo blieben der Zeiten Spuren?
Und war er im Sinken, sein Stern?

Für genaueste Zeitenmesser,
was gab er nicht alles hin,
es ging nach dem Kauf ihm gleich besser,
er hatte nur eines im Sinn:

Er suchte die Uhren zu zwingen
zu gehen gemeinsam im Takt ...
es konnte ihm niemals gelingen,
es half auch kein Teufelspakt.

So sehr er sich auch mühte,
die Uhren gingen nicht gleich,
und all sein Bestreben  verglühte
im tickenden Uhrenreich.

Die Uhren tickten behende  ...
wie rastlos diese so gehn ...
Der Kaiser spürte sein  Ende:
nicht   e  i  n  e    der Uhren blieb stehn.

l3. Mai 2013

.. . . . . . . . .

*)  Kaiser Karl V. war ein Uhren-Narr

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