Patrick Rabe

Literarischer One Night Stand

Wir trafen uns im vollen Bus,
ein Haut-an-Haut-Erlebnis;
ein Blick zuviel, ein heißer Kuss
war unsrer Lust Ergebnis.
 
Wir stiegen aus dort wo du wohnst,
zu Fuß sieben Etagen,
doch mit `nem Kuss du mich belohnst,
ich musste gar nicht fragen.
 
Ein Zimmer, Küche und das Bett,
viel Bücher an den Wänden,
ich schau mich um, was sie so hätt
an lesenswerten Bänden.
 
Viel Lyrik hat die gute Frau,
viel Klassik, auch Moderne,
wenn ich durch ihre Sammlung schau,
dann leuchten mir die Sterne.
 
„Jetzt komm schon, ich bin auch noch da!“,
sie holt mich weg von Goethe,
dann zieht sie mich zu sich ganz nah
und spielt auf meiner Flöte.
 
Ich sag, dass ich auf Hesse steh,
und Goldmunds Eskapaden,
sie schwört, bei Zola würd’s ihr weh,
der hätt den roten Faden.
 
Wie Henry Miller pack ich sie,
verfluch dabei die Götter,
mit Marc Aurels Philosophie
spielt sie meinen Erretter.
 
Ich lese Sartre, sie Camus,
Rimbaud bringt uns in Hitze,
ein bisschen Lady Chatterly,
jetzt, wo ich sie besitze.
 
Nur Charles Bukowski spar’n wir aus,
der hat zu wenig Klasse,
und auch die Manns, Thomas und Klaus,
die frönen ander‘m Spaße.
 
Zuletzt ein wenig Gottfried Benn,
(O Nacht, ich nahm das Weiße!).
Bin froh, dass ich sie Liebste nenn
und nicht Cyrano heiße.
 
Wie Romeo übern Balkon,
so ist mein Abschied eilig,
denn draußen stand ihr Lover schon,
ach, keine Frau ist heilig!
 
So schlender ich wie Oscar Wilde
galant zu meiner Wohnung,
wo ich, von One Night Stands geheilt,
in Luther find Belohnung.
 
Patrick Rabe, Di, 30. 7. 2013, 20.30 Uhr, Hambourg.
 
 

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