EWIGER MORGEN DES GESTERN

Ewiger Morgen des gestern
bleibst du noch oder gehst du schon
wenn die reichgedeckte Kaffeetafel abgeräumt
und die Stühle fortgezogen
wie wollen wir weiterfeiern
stehend an den leeren Tischen
die bereit sind
die Toten zum sezieren aufzunehmen
bei geschlossenen Fenstern
die Schreie zu ersticken
derer die noch lang nicht tot
derer die nur zum Frühstück kamen
und hier blieben
zur Feier der Letzten
die das Leben verwahren
in großen Gläsern
eingelegter Gedärme und Glieder
die Plastinate aufzubewahren

Ewiger Morgen des gestern
bleibst du noch oder gehst du schon
durch die leeren Straßen
und engen Gassen
Häusern ohne Fenster
und ohne Türen
alle Schilder weisen zurück
die Glocken der Kirchen läuten
kein Tier das nicht schon geflohen
keine Pflanze deren Blätter nicht verdorrt
niemand weiß wohin die Fische verschwunden
Leben? Kain Zeichen!
Es muss für dieses Elend einen Schöpfer geben
öffnen wir den Deckel von einem hohlen Fass
auch hier will das Leben den Erbauer sehen



Ewiger Morgen des gestern
bleibst du noch oder gehst du schon
vergangen sind die menschlichen Zeiten
die Uhren blieben schon stehen
kurz vor Mitternacht so um halb zwölf
die Sonne ist schon halb verglüht
und auch der Mond hat sich
der Erde abgewandt
keine Wärme und kein helles Licht
das jetzt noch scheint
um Tag zu wünschen
für was auch soll die Erde leben
und doch dreht alles seine Bahnen
wie es in alten Schriften aufgeschrieben
kein Stern der Hoffnung lässt erkennen
die alten Zeiten sind vergessen
alles Dunkel und Schwarz
so zeigen sich Ruinen
und auf dem Berg Akropolis



Ewiger Morgen des gestern
bleibst du noch oder gehst du schon
auch du bist binnen kurzem Geschichte
hast nur die Kulissen aufzubewahren
für den letzten Akt
so manche Kohle flackert noch
ein Scherben der sich noch wehrt
ungeliebt und unverstanden
weist es in den schwarzen Himmel
von wo es kam geht es zurück
doch auch die letzte Luft
nimmt jetzt den Atem
von allem das auch nur den Hauch noch lebt
so stirbt der letzte Rabe
die Kakerlaken werden noch
die Stellung halten einige Zeit
der schwarze Stern der einmal himmlischblau
er zieht nun weiter schwarz und dunkel




Aachen, 2004-02-21



****************************** Autoreninfo ***************************
Manfred H. Freude geb. am 02.04.1948 in Aachen


Das Leben, Erfahrungen, Aktuelles, Trauer & Verzweiflung, Sehnsucht, Klartext, Kritisches, Leben & Tod, Gedanken, Allgemein, Nachdenkliches, Gefühle
© 2004 MANFRED H. FREUDE






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