Inge Hoppe-Grabinger

Von der Eitelkeit heiliger Männer



Franziskus fiel es einmal ein
zu predigen den Vögelein.
Die waren auch mucksmäuschenstill:
Wer weiß, was dieser Mensch da will?
Und kaum verklang sein letztes Wort:
da sangen sie wie im Akkord.
Franziskus aber glaubte nur,
dass er beglückt hat die Natur.
Sein Ruhm, der breitete sich dann
aus und zog auch Künstler an.
Die Vogelpredigt, gemalt so schön,
konnt man auf Gold in Kirchen sehn.

Das wurmte bald Antonius sehr.
Wo nahm nun er solch Ruhm wohl her?
Die Eifersucht, die fraß ihn auf ...
und schließ- und endlich kam er drauf,
was seinen Ehrgeiz stracks entfacht,
denn niemand vor ihm hat's gemacht:

Er warf just Krümel in die See,
da kamen sie, herrjemine,
die Fische schnell, von da und dodrt.
Antonius aber begann sofort:
Er predigte ganz kurz und schlicht.
Die Fischlein zeigten ihr Gesicht
und lächelten ihm freundlich zu.

Der Heilige verstand im Nu ...
es fiel ihm förmlich in den Schoß:
die Flundern    s   a  h      er      r  i  e  s  e  n  g  r  o   ß,
die Dorsche und Makrelen,
denn Wale durften nicht fehlen,
und er machte aus Sardinen
wahre Fischlawinen.

Ergriffen von der Fische Wuchs
verbreitete er die Predigt flugs.

Die Künstler hörten dies gar bald,
die meisten ließ das Thema kalt,
weil Fischgestaltung Mühe macht,
besonders wenn sie ausgedacht.

Dann hat's ein Maler doch gewagt,
sich mit den Mäulern sehr geplagt:
die ragen steil aus feuchtem Nass,
in Reih und Glied, nur wie zum Spaß,
genau wie ein Synchronballett
in einem blauen Wasserbett.

Und sinne ich, ach, dann und wann,
schau ich mir gleich das Fischbild an.
Der Maler hat sehr gut bedacht,
was Heiligen so Freude macht.

Doch ruhmlos waltet die Natur:
es bleibt von Krümeln keine Spur.

l3. Okt. 2o13  

...

Die Fischpredigt ist in Padua zu bewundern.... wo sonst ...

 

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