August Sonnenfisch

Höre die Freiheit



 

Höre die Freiheit


Die soziale Freiheit deiner
Meinung
bedarf
eines offenen Ohrs:
sie bedarf eines Hörenden,
der dir Raum und
Respekt
gewährt
für deine ureigene Meinung.

Andernfalles wäre es
Zwang zur
inneren Emigration.

*

Doch wie oft weisen
wir Zivilisierten
einem Sprechenden die Tür!
Unter dem Deckmantel
der Freiheit  u n s e r e r  Meinung
widersprechen wir und
widerlegen,

weisen wir zurecht,
preschen wir
mit Einwänden vor:
Einwänden des Mainstreams,
der anscheinend
allgegenwärtig!
Und wir hören heraus!
Und hellseherisch
wissen wir längst, was
der Sprechende
mit uns zu teilen gerade
im Begriff ist!

Eingefleischterweise,
eingeübter-
und eingewöhnterweise
gouvernieren wir
uns selbst
und einander
in unserem Alltag -
als wären wir die Staatssicherheit von einstens!

*

H ö r e n aber hieße  
- kaum noch finden und empfinden wir es -,
eine Meile in den Schuhen
eines Sprechenden
zu gehen,
seien es Stöckelschuhe,
Schneeschuhe
oder ein Tanzschuh.

H ö r e n  hieße,
dem Sprechenden ein Gasthaus zu sein:

still zu sein,
jenseits von Konsens
und Dissens:
nichts tun:
empfangen -
gleich einer Geliebten in der nächtlichen
Umarmung!
Und das Gehörte dann
in unserem Herzen
zu bewegen.

*

Doch wenn keine Menschenseele
dich hört: dann
höre du selber dich an -
gleich der geistigen Welt,
die allgegenwärtig.
Und bringe in einen Tanz oder
bringe zu Papier,
was du gehört.
Du bist die Seele,
auf die du gewartet,
nach der
du dich gesehnt.

Und lausche dann denen,
die dir die
Türe gewiesen.





(c)  August Sonnenfisch, Überlingen, 2.11.2013 ff

 

"Dieses Menschsein ist ein Gasthaus.
Jeden Morgen ein neuer Gast:
eine Freude, eine Depression, eine Gemeinheit,
eine plötzlich Erkenntnis ...
sie alle kommen wie ein unerwarteter Gast.
Heiße sie willkommen und schenke
ihnen Beachtung!
Auch wenn eine Schar von Sorgen kommt,
die dein Haus von seinen Möbeln entleeren
und es gewaltig ausfegen -
behandele sie alle mit Respekt,
sie könnten dir neue Freuden bringen!
Den dunklen Gedanken,
die Scham, die Bosheit,
begegne ihnen mit einem Lächeln an der Türe
und bitte sie herein!
Sei dankbar für jeden,
der da kommt -
weil jeder zu dir gesandt wurde
als ein Bote vom Jenseits."

(Dschalal ad-Din Muhammad RUMI,
persischer Mystiker und Dichter. 1207-1273)
August Sonnenfisch, Anmerkung zum Gedicht

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