Renate Tank

DIE QUELLEN DES BÖSEN


DIE QUELLEN DES BÖSEN

Des Teufels Quellen will ich suchen,
doch die Welt mit ihren Rufen
sagt gereizt: Es gibt sie nicht!
 Das will mich nicht fest überzeugen,
immer will sie doch nur beugen
andere in ihre Sicht.
 
Ist’s mir doch schon oft geschehen,
wenn ich Engel meint‘ gesehen,
dass ein grauenhafter Schatten
trat als Pferdefuß ins Licht.
Kurz nur war er zu erblicken,
doch ich fiel aus dem Entzücken,
das das Bild zuvor gebracht,
- in meiner Seele ward es Nacht.
 
Gedanken schob ich weg sehr sachte
sowie auch mit großem Bedachte,
dass meine Sehkraft einfach so
einen miesen Streich mir machte.
Denn ich konnt‘ mich nicht mehr fangen,
zu sehr traf mich das Verlangen,
das Geheime aufzuspüren.
So ließ ich mich dazu verführen.
 
Ich wurde müde und der Schlaf
brannte mir auf meinen Lidern.
Überkam mich seltsam feurig,
ohne Wohltat in den Gliedern.
Unruhig wabernd‘ Dunstgestalten
versuchten weiter mich zu locken.
Nichts war überdies erkennbar,
nur fremde Strömung machte erschrocken.
 
Gestaltung anderer Dimension,
für meine Augen nicht zu durchdringen.
Ich ahnte jetzt mein Unheil schon;
Gebet sollte mir Schutzkraft bringen.
Fiel bald in abgrundtiefe Stille,
- dunkel wie ein Todesschacht.
Mein Inneres zerbarst in Nacht
und raubte alle meine Kraft.
 
Da war ein Drängen und ein Engen,
ohne dass mich wer berührte.
Die Haut war mir in Frost getaucht,
von Kälteschauern überhaucht.
Sie legten sich auf mich hernieder:
immer mehr, - und immer wieder.
Bis ich fühlte ein großes Erstarren!
Mein einsames Ende, in strengem Verharren,
wurde hier seltsam schaurig vollzogen.
Kein Laut erging und wurde mir
aus dem Vertrauten gehoben.
Ich fühlte mich schwinden,
- vom Leben betrogen.
 
Da drang plötzlich ein Ton, ein Zischen herauf,
ein widerwärtiger Dampf stieg auf.
Floss mir in die winzigste Zelle.
Und aus diesem Ton, der voller Hohn,
da hörte ich es wie Gebelle:
 
„MEINE QUELLE,
nach der du so wahnwitzig suchst,
ist überall, - so auch in dir.
Wer mir anhänglich ist, ist schon verrucht!
Treibe kein Spiel mit mir!
Bin dann in sekundenschnelle
umgehend zur Stelle.
 
Deine Neugierde auf mich
schrie tief hinab
bis in den verlassensten Winkel der Hölle.
Wer von der Dunkelquelle allein sich nährt
und das Anderswasser nicht eifrig sucht,
der ist für alle Ewigkeit
meinem Reich verflucht.
 
Nun befehle ich dir, dich wieder zu regen!
Aus der Starre fließt kein Segen entgegen.
DER WEINSTOCK,
der Herr ist über die Reben,
hat mir für eine kurze Zeit nur
MACHT
 über dich gegeben.
 
So sollst du gelöst sein nun von den Wehen,
die du hast aufgrund der
BEGIERDE
gelitten und nur wegen ihr diesen Blick
 in deinen eigenen Quellgrund
DES BÖSEN
erstritten.“
 
© Renate Tank
 03.07.2014

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 20.07.2014. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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