Ernst Dr. Woll
Makaber
mehr um ihre Beerdigung als heute.
Man war noch gar nicht verstorben
aber der Sarg wurde schon erworben.
Im Haus kam er nun auf den Boden,
weil er sich als Lagerbehälter angeboten.
Mit über 90 schied Opa aus dem Leben.
In seinem Testament hatte er angegeben
seinen Leichnam nicht aufzubahren,
geschlossen den Sarg zum Friedhof zu fahren.
Die Familie gehörte zu den Frommen,
der Wunsch wurde daher ernst genommen.
Zwei Monate war der Mann unter der Erde,
von allen gab es seitdem viel Beschwerde,
widerlicher Geruch durchzog das Haus,
man hielt es darin fast nicht mehr aus.
Vom Hund, der sich seither seltsam benahm,
schließlich der Hinweis auf die Ursache kam.
Das Tier hatte den Verstorbenen verehrt,
sich nach dessen Tod heftig gewehrt
vom Sarg, in dem dieser lag, weg zu gehen,
das war auch nach dem Begräbnis noch zu sehen.
Man öffnet diesen, vor dem der Hund ständig stand,
war erschüttert, dass man darin den Toten fand.
Es war zu einem Fehlgriff gekommen:
Zur Beisetzung hatten sie den Sarg genommen,
in dem sie bisher Dörrobst aufbewahrten,
das sie anstelle des Toten zum Friedhof karrten.
Die eigenen Särge zu Lebzeiten besorgen
bereitet also Hinterbliebenen große Sorgen!
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 15.09.2014.
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