Renate Tank

DER NEBELBAUM



DER NEBELBAUM

Als der Herbst im Bunt sich zeigte,
alles schon die Köpfchen neigte,
hört ich zu meinem groß Erstaunen
einen Baum im Garten raunen.
 
Erst konnte ich ihn nicht verstehen,
musste näher zu ihm gehen.
Stand darunter, nah am Stamm,
als die Stimme neu aufschwang:
 
„Du wirst es jetzt sehr bald erkennen,
dass sich trübe Nebel trennen
und sich bei ihren Namen nennen…“
 
Die Worte konnt ich nicht vergessen,
sie klangen drohend, fast vermessen.
Mein Leben schien mir asphaltiert,
und alles lief wie gut geschmiert.
 
Eines Tages ging ich wieder,
- eine Angst drückte mich nieder,
hin zum Baum, der ausgelaugt
mich mit hohlen Augen schaut.
 
„Heute lass ich es dich wissen.
Schau, du hast auch mich verschlissen!
Ohne Wasser, ohne Liebe
wachsen nie mehr junge Triebe.
 
Deinem Liebsten ging es so…
Er war im Herzen nicht mehr froh.
Hast ihn vergessen, - neben dir!
Jetzt geht er fort, doch du bleibst hier.“
 
Und mit dem letzten dünnen Schrei
krochen Nebel dicht herbei.
Hüllten sie ein, wie zum Ersticken:
Sie konnte nie mehr Ihn erblicken.
 
***

Aber klar sollt sie erkennen,
dass sich weiße Nebel kämmen
und neu sich ihre Namen nennen…

© Renate Tank
 05.01.2015

 

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