Christine Wolny

OSTERERINNERUNG

 


OSTERERINNERUNG
(Im Jahre 45 vor Kriegsende)

Siebzig Jahre ist es her.
Eine lange Zeit.
Kann mich noch so gut erinnern,
so als wär’ es heut.

Zogen los mit leerem Korb.
War die Osterzeit.
Waren vier und sieben alt.
Bauernhöfe weit.

Sagten dort ein Sprüchlein auf.
Wollten Eier kaufen.
Eins, zwei wären schon genug.
Konnte kaum mehr laufen.

Erste Frau schickte uns fort.
Schimpfte hinterher.
So blieb unser Eierkorb
eine Weile leer.

Auf zum nächsten Bauernhaus.
Das lag weit entfernt.
Sagte mehrmals Sprüchlein auf.
Hab es gut gelernt.

Bäuerin öffnet die Tür.
Sah mich freundlich an.
Hatten diesmal großes Glück.
Schnell ihr Herz gewann.

Schenkte uns, welch große Freud.
Zählte schon bis sieben.
Dieses Osterglück ist mir
tief ins Herz geschrieben.

© C.W.

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