Inge Hoppe-Grabinger

Lebt ein König


Lebt ein König, tief im Wald,
ist nicht jung und auch nicht alt,
stets zieht er im Reich umher,
Grenzen gibt es nirgends mehr.
Ständig ist er auf der Hut
vor des Feindes wilder Wut,
nirgends findet er die Ruh,
nie macht er die Augen zu,
immer wird  er endlos wachen, 
niemals weinen, niemals lachen,
jederzeit aus Hinterhalt
droht des Dolches Spitze kalt.
Jederzeit kann jemand schleichen,
um die Herrschaft zu erreichen,
um das Leben ihm zu rauben,
wenn's die Kräfte ihm erlauben.

Irgendwann wird's ihn ereilen,
denn die Macht kann man nicht teilen,
siegreich wird der Jüngre sein,
mit viel stärkerem Gebein.

Nur dem Sieger wird gehuldigt,
keine Schwäche wird entschuldigt.
Ist der Ältre erst besiegt,
wenn er kraftlos, saftlos liegt,
nicht ermattet, sondern tot, 
gilt des Jüngeren Gebot.

Dieser - König, Priester -  auch,
schenkt nach alter Väter Brauch
Fruchtbarkeit und Schutz ud Ehre,
dass der  Ruhm ihm niemand wehre.
Alles betet zum  Erwählten,
noch von Wunden nicht entstellten ...
Heiig ist er Untertanen,
die sich Wege zu ihm bahnen ...

Nun muss ER das Reich erhalten,
nie darf kraftlos er erkalten,
niemals schlafen, niemal ruhn,
niemals heitre Dinge tun,
immer spähen nach Rivalen,
leiden des Verfolgten Qualen.
Endlos  ist der Kraftverschleiß,
hoch, zu hoch erscheint der Preis,
bis ein Dolch aus jüngrer Hand
bohrt durchs Herz bis an den Rand.

Endlos schraubt sich die Spirale,
nie ist was zum letzten Male.
Alter bleibt besiegt zurück,
strahlend ist des JÜNGREN Glück ..
Und so lang er unversehrt,
wird er auch als GOTT verehrt ........

7. April 2o15

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Wer Näheres über diesen Mythos erfahren will, lese:
Sir James George Frazer: THE GOLDEN BOUGH, A STUDY IN MAGIC AND RELIGION, first published in
l922


 

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