Ernst Dr. Woll

Widerspenstiger Ochse

„Du nennst mich oft dumm,
das nehme ich dir krumm“,
sagt der Ochse dem Bauern,
„das wirst du noch bedauern.
Ich bin dir zum Arbeiten gegeben,
dafür müsstest du mich gut pflegen,
du denkst aber an mir zu verdienen,
weil ja Ochsen bedingungslos dienen“.
 
Niemand konnte diese Worte hören,
darum tat es den Bauern sehr stören,
dass der Ochse nicht weiter gehen wollte
und allen Befehlen Missachtung zollte;
dann kam es dem Tier gar in den Sinn
und es legte sich ganz plötzlich hin.
Mit guten Worten, gar mit Schlägen,
war es zum Aufstehen nicht zu bewegen.
 
Keiner wusste einen heilsamen Rat.
Was der sonst willige Ochse hier tat
widersprach den bekannten Naturgesetzen
wenn sich gezähmte Tiere widersetzen.
Ein Tierflüsterer kam schließlich herbei,
er sagt dass dies keine Ausnahme sei,
dass ein Ochse misshandelt, gestresst
sich zur Weiterarbeit nicht zwingen lässt.
 
Den Experten darf niemand stören
und auch keiner die Worte hören,
die er dem Tier ins Ohr nun raunt,
das, so scheint es, plötzlich  erstaunt
wieder aufsteht als wäre nichts gewesen;
wieder intakt ist das willige „Ochsenwesen“.
Doch der Tierflüsterer verrät es nicht
was man in diesen Fällen tut und spricht.
 
 „Tiere seien dem Menschen untertan“ nur gilt,
wenn man zur korrekten Tierhaltung gewillt.
Wer dabei Tiere gar dumm auch nennt
unsere Weltenordnung völlig verkennt.
 
E.W. 2015
 
 
Die Fabel behandelt ein Thema, das vor etwa 100 Jahren aktuell war. Damals wurden Zugochsen gern für die Feldbearbeitung genutzt, weil sie mit ihren Klauen einen geringeren Bodendruck verursachen als Pferde und Maschinen. Tierflüsterer waren in jener Zeit nicht bekannt, aber Menschen mit ähnlichen besonderen Fähigkeiten, für die es keinen speziellen Namen gab.
 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 18.05.2015. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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