Regina Vogel
Die Urgewalten
Ich blicke auf meine schöne Armbanduhr. Es ist Zeit für mich zu gehen, mich auf die Reise in mein Innerstes zu begeben. Meine derben Stiefel schnüre ich sorgfältig, während die Augen sanft über die Möbel und das Inventar des Hauses gleiten. Mit einem Seufzen des Bedauerns trete ich erwartungsvoll aus dem vertrauten Ort. Der Himmel über mir hat sich bewölkt. Kein Sonnenstrahl durchdringt die Wolkendecke. Der Wind frischt auf. Ich ziehe meine Mütze tiefer ins Gesicht. Ohne Mühe bewege ich mich auf dem Weg immer tiefer in den düsteren Wald. Was begegnet mir hier? In der Ferne höre ich ein dumpfes Grollen. Es scheint aus dem Inneren der Erde zu kommen. Es ist der Vorabend eines Vulkanausbruchs, der mich auf dem Weg durch die Natur begleiten wird. Ich spüre die Hitze und den Dampf, lausche der tiefen Stille. Kein Laut durchdringt die Atmosphäre, die sich wie ein unsichtbarer Mantel um mich schmiegt. Der Ausbruch lässt nicht mehr lange auf sich warten. Ich zähle die Stunden, die Minuten, die mir bleiben, um sicher aus der gefährlichen Zone zu gelangen. Mein Herz rast, sein rhythmisches Pulsieren pocht bis in die Halsgefäße. Schweißperlen tropfen mir von der Stirn. Zweifel hatte ich nie. Der dunkle Mut in meiner Seele hat mich immer sicher durch gefährliche Situationen geleitet. Auch jetzt, da die Urgewalten mir im Wege stehen, verlasse ich mich auf meine Zuversicht und das Vertrauen in die Grenzenlosigkeit des Universums.
Ein Seelenbild für Henning den Verseschmied
Vorheriger TitelNächster Titel
Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Regina Vogel).
Der Beitrag wurde von Regina Vogel auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 31.05.2015.
- Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).