Patrick Rabe

Lunatic

Ein bleiches Kind, zur Hälfte nur am Himmel,
dringt in das Hirn des Postbeamten Flor.
Er steigt im Traum auf einen Apfelschimmel
und reitet zu der Maid, die er verlor.
 
Ein Mädchen liegt im Schlaf, an ihrer Kehle
die Hand des Mörders, der sie sanft zudrückt.
„Jetzt endlich ich mich dir vermähle!“
Der Postbeamte Flor ist mondverrückt.
 
Das Mondkalb zählt wie Sterne seine Sorgen,
hab acht: The lunatic is on the grass!
Ansonsten deckt die Nacht uns zu im Frieden.
 
Und kommt die Sonne, kommt der neue Morgen,
trägt Flor die Post aus, der die Nacht vergaß.
Das Mädchen liegt im Bett, zu früh verschieden.
 
 
 
© by Patrick Rabe
 
Mi, 10. Juni 2015, Hamburg
 
Mein zweites Mondsonett
 
Die Zeile „The lunatic is on the grass“ bedeutet: „Der Mondsüchtige/der Verrückte ist auf dem Rasen.“ Sie stammt von dem Pink-Floyd-Album „Dark Side Of The Moon“ und ist eine Anspielung auf den Rasen vor der Universität Cambrige, vor dem ein Schild stand „Nicht auf dem Rasen gehen!“ Die Verrückten tun es eben doch…
 
 
 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 11.06.2015. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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Die Glaubens-und Liebesgedichte von Patrick Rabe sind mutig, innig, streitbar, vertrauens- und humorvoll, sie klammern auch Zweifel, Anfechtungen und Prüfungen nicht aus, stellen manchmal gewohnte Glaubensmuster auf den Kopf und eröffnen dem Leser den weiten Raum Gottes. Tief und kathartisch sind seine Gedichte von Tod und seelischer Wiederauferstehung, es finden sich Poeme der Suche, des Trostes, der Klage und der Freude. Abgerundet wird das Buch von einigen ungewöhnlichen theologischen Betrachtungen. Kein Happy-Clappy-Lobpreis, sondern ein Buch mit Ecken und Kanten, das einen Blick aufs Christentum eröffnet, der fern konservativer Traditionen liegt.

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