Hans-Joachim Oberländer

Ein gelbes Blatt

Taumelnd treibt ein gelbes, vom Herbst gefärbtes Blatt durch ein Jahrtausend altes Tal rauschenden Wassers.
Es dreht sich, überschlägt sich, sinkt in die Tiefe und erreicht doch immer wieder das Licht des Tages.
Schatten uralter Baumriesen, von den eiligen Wellen des Baches zu unzähligen Grimassen geformt, durchquert es ohne jegliche Mühe.
Vom Ufer her greifen Millionen von Zweigen und Gräsern  nach dem scheinbar hilflosen Gefährt, wollen es halten, besiegen, unterdrücken. Aber es wehrt sich tapfer der Gefahren.
Das Blatt reißt sich in den wilden Strudeln immer wieder nach vorn, los von den trägen Ufern und dessen starren Kieseln und Wurzeln.
Inmitten der farblos werdenden Natur, ein alterndes noch gelbes Blatt.
Bald ist es Obhut für einen letzten Schmetterling, der vergessen hat seine Reise anzutreten und Fluss abwärts treibt, dann wieder Rastplatz für einen winzigen, Regenbogen farbig glänzenden Käfer. Das Blatt trotz der Nächte Kühle und freut sich des Sternenhimmels, dessen  Dunkelheit Milliarden Lichter regnen lässt.
Nach Ewigkeiten wird das Wasser breiter, ruhiger, tiefer. Kommt fast zum Stillstand.
An einem Tau frischen Morgen sinkt das Blatt langsam auf den Grund des Sees und findet dort viele seines Gleichen. Die ersten Sonnenstrahlen kann es nicht mehr erleben.
 
Verfasser: Hans- Joachim Oberländer
                    Potsdam

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