Patrick Rabe

Davids neues Lied

(in Anlehnung an den 40. Psalm)
 
Du hast meine Füße auf Felsen gestellt
und meine Schritte fest gemacht.
Doch dein Lied konnte ich erst singen,
nachdem ich die Sicherheit verlor,
und mein Glaube mir zerbrach.
 
In den Pfuhl der Zweifel wurde ich gestürzt,
in das Für und Wider dieser Welt.
Niemand half mir,
und die gleisnerischen Vertreter deines Wortes
waren nur Pharisäer, die sich aufblähten
und hatten so wenig Liebe
wie eine unbewegte Wand.
Nur recht hatten sie immer.
 
Ich erkannte, dass im Geschriebenen viel unklar ist,
und dass das Kleben an Worten
einen zum Lexikon macht,
aber nicht zum Gottesdiener.
Ich war fern der Schrift,
lebte in der Übertretung
und hörte gerade da
den Wind der Liebe wie ein
wunderschönes Singen.
 
Erst, als ich den Mut fand,
Fehler zu begehen,
erkannte ich den Wert
deiner Gnade,
die Größe deiner Liebe.
 
Ich trat heraus aus der Enge der Überlieferung,
teilte meinen Becher mit Zöllnern und Huren
und Pennern und Lästerern und Schwulen,
und wurde
ein Mensch.
 
Du hast mir ein neues Lied in meinen Mund gegeben,
ein gebroch'nes Hallelujah,
das Lied der Liebe und der Barmherzigkeit,
ich lernte es im Fallen,
ich singe es in deiner Hand,
die alle umschließt,
ob sie es wissen oder nicht.
Ich musste dich verlieren,
um dich wahrhaft zu finden.
Gepriesen sei die Liebe!
 
 
 
 
© by Patrick Rabe
Mi, 18. November 2015, Hamburg.
 
 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 18.11.2015. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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