Jürgen Wagner

Die geweihte Nacht

 

'Welt ging verloren,
Christ ist geboren' -
so singen wir in dieser Zeit

Viel ging verloren,
nur wo ist geboren,
was uns rettet und heilt?

Wo wir's nicht vermuten,
was wir uns nicht zumuten,
wozu wir kaum bereit

Im Stall, am Trog,
wo's keinen hinzog,
da ist's manchmal soweit

In uns'rer eig'nen Dunkelheit,
da wächst die tiefste Menschlichkeit,
ein kleines Stück von Ewigkeit




 
Die 'wihen nahten', die geweihten Nächte, beschreiben die Zeit nach der Wintersonnenwende am 21.12., an denen die Tageslänge wieder zunimmt, das Licht sich gleichsam wieder ausbreitet. Das Christentum, das ursprünglich nur das Fest der Taufe Jesu am 6.1. kannte, führte im 4. Jh. 3 Festtage ein und legte sie bewußt auf dieses Sonnenfest - mit kleiner Zeitverschiebung, um sich von der alten Zeit abzusetzen. Die christliche Kirche hat damit die Besonderheit dieser Zeit bewahrt, aber ihre Symbolik überschrieben: der 'Sol invictus' wird der Christus.

Unsere Vorfahren kannten vielerorts 12 heilige Nächte - Rauhnächte, in denen die männliche Gottheit (Odin) wild durch die Lüfte zieht, die weibliche Gottheit (Perchta, Holle) über die Ruhe und Fruchtbarkeit der Zeit wacht - Losnächte, in denen man Runen ziehen und sich auf das neue Jahr vorbereiten kann.

 

Bild zum Gedicht Die geweihte Nacht

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 23.12.2015. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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Spiegelungen des Daseins: HImmel und Erde: Hommage an das Leben von Jürgen Wagner



Die Gedichte aus den Jahren 2013-16 erzählen von der ‚Hochzeit‘ von Himmel und Erde. Ob in der kraftgebenden Schärfe des Rettichs oder in der Vitalität der Jahrtausende schon lebenden Eibe, ob in der Weisheit alter Geschichten oder im Wunder der Liebe, ob in spirituellen Erfahrungen oder in den Weiten des Alls: überall begegnen sich Licht und Dunkel, oben und unten. Unsere gewohnte Alltagswelt bekommt etwas von ihrem wahren Glanz wieder, wenn wir uns ein Stück dafür öffnen.

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