Patrick Rabe

Vocem Poet

Drei durchwachte Nächte und zwanzig Tassen Kaffee,
der Stift glüht, das Herz brennt und man schlachtet sich hin auf Papier.
Manche Menschen sind als Opfer konzipiert.
Sie stürzen sich reihernd und seibernd,
weinend und blutend in den Häxler der Welt.
Anders ist ihnen ihr Feuer nicht erträglich,
Seelenfrieden scheint unmöglich.
 
Menschlichkeit ist umzingelt, schwarzes Hohnlachen,
und manchmal möchte ich das Kroppzeug mich befriedigen lassen,
und es hinterher anpissen, verachtend, hassend, erhaben.
Ich bin gern für Menschen da, doch gut, wenn man keinem begegnet.
Ihr Egogewichse kotzt mich an.
Doch es ist ein Spiegel.
Und in jedem Menschen wohnt das Besondere,
das Schöne, Einmalige, das jubelnde Kind,
das unberührt ist von allen Verletzungen,
Hass und Bitterkeit.
Für diese Kinder in euch und in mir
tauche ich immer wieder in den Brunnen.
 
Was treibt den Dichter?
Eitelkeit? Der Wunsch nach Ruhm? Vielleicht.
Doch der wahre Dichter ist ein schreiender Mensch.
Alles an ihm schreit. Doch sein Mund schweigt.
Einzig und allein seine Lieder sind es,
die seinen Schrei nach außen bringen.
Dann kann er wieder leben.
Den wahren Dichter treibt das Heimweh.
Doch er darf niemals zu Hause ankommen,
denn sonst wird er zur Leiche.
 
Der Dichter findet Perlen und wirft sie vor die Säue.
Wenn er sich opfert, wem gilt sein Opfer?
Den Sprachlosen?
Gibt es die?
Alle Leute sind doch permanent am Labern!
Mich beschleicht der Verdacht,
dass nur ein Dichter einen Dichter verstehen kann.
Der Pöbel bleibt stumpf und wird auch von Kunst nicht erleuchtet.
So schreibt denn der Dichter für seinesgleichen:
Zitternde Seelen in den Baumkronen der Welt,
goldene Kinder in einer Landschaft aus Scheiße und Kotze.
Sie halten sich gegenseitig die Gemüter warm.
Fanale gegen Angst, Tod und Teufel.
 
 
© by Patrick Rabe, 8. Januar 2016, Hamburg.
 

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