Andreas Vierk

Eine Spur in der Geschichte







Es ist ein Jahr und noch ein Jahr
seit ich im schönen Meißen war.
Dort tut man Porzellan verkaufen,
ich aber wollte lieber laufen
in einen Laden voller Steine,
doch Edelsteine wollt‘ ich keine,
auch keine glatten Monolithen.
Mir stand der Sinn nach Trilobiten.
Ich hab mir einen dort erworben.
(Sie sind sehr lange ausgestorben
und sehen fast wie Asseln aus.)
Und selig trug ich ihn nach Haus.
Er ist so groß wie eine Biene,
sitzt auf dem Stein in der Vitrine
und kündet von der Ewigkeit
und von Millionen Jahren Zeit.
Land gab es nicht, nur blaues Meer,
der Himmel war von Vögeln leer.
Kein Auge sah das Wogenheben
und doch war alles voller Leben.
Doch wie das Meer das Leben bot,
so wütete in ihm der Tod.
Vielleicht ist dies ein Klagelied
für meinen armen Trilobit.
Doch könnt‘s auch trivialer sein,
so hat es nämlich ganz den Schein,
als tat sich in den Meeresweiten
mein Trilobit nur einfach häuten
und ließ die Haut für mich zurück,
allein für mein Fossilienglück,
dass ich sie konnt nach Hause tragen!
Das ist prophetisch, würd ich sagen!
Der Schluss wär ein betäubender,
doch geht es noch haarsträubender:
Vorzeiten fragt sich meine Seele
was für ein Tier sie wohl erwähle,
so wurde ich, im Meer verloren,
als kleiner Trilobit geboren.
So schwamm ich hin. Und dann und wann,
fraß ich ein andres Wesen an.
Warst du es auf der Wanderung?,
dann bitt‘ ich um Entschuldigung.
Doch jedenfalls ließ ich zurück,
von meiner Haut ein gutes Stück.
Das ist tatsächlich meine Haut,
die da so kulleräugig schaut!
Zwar ist sie schon so hart wie Stein,
doch weiß ich jetzt, so muss es sein!

 

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Andreas Vierk schreibt seit seinem zehnten Lebensjahr Prosa und Lyrik. Er verfasste die meisten der Gedichte des „Septemberstrands“ in den Jahren 2013 und 2014.

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