Andreas Vierk

Meditation auf die Farbe Hellblau 10-12






X
 
Es reißen dir die Saiten in der Kehle.
Dein Atem ist mit Liedern überfüllt.
Membranen platzen. Sonne wird enthüllt,
dass sie dich kreuzige, den Leib dir pfähle.
 
Die Außenwelt, sie tauscht sich mit dem Innen.
Es schwinden Bitternis und Fütterungen.
Dein Atem schwillt in Rausch-Erschütterungen.
Nun singe! Hebe an! Lass neu beginnen!
 
Du kappst das Ankertau und alles Schwere
und schwingst dich auf den weißen Möwenbord,
legst Feuer an und brennst die Farben fort,
 
auf dass der Wind dich aus den Gluten schäle.
Von ferne rauscht es an: hellblaue Leere,
Es zieht dich wie ein Sog in deine Seele.
 


XI
 
Es zieht dich wie ein Sog in deine Seele.
Nach außen stößt du die Koronen fort,
nach innen schmilzt zunächst dein Daseinsort,
und weiße Flammen füllen deine Kehle.
 
Es ist dein eigner Atem – diese Gluten,
doch mischt sich auch ein hoher Geist hinein.
Für ihn kann selbst dein Licht verschattet sein:
lunares Spiegeln in den Schlierenfluten.
 
Dein Strahlenglanz entwickelt seine Wellen,
beginnt die schwarzen Räume aufzuhellen.
Die Eruptionen schmecken wasserlind.
 
In ihnen branden immer neue Lieder.
Doch wo im Innern Sonnengold gerinnt,
da ist das Glück! Von dort kommst du nicht wieder.
 


XII
 
Da ist das Glück! Von dort kommst du nicht wieder.
Du bist im Seelenzentrum angelangt,
wo sich der Tanz der Liebe um dich rankt,
und wo du schmilzt in deine tausend Lieder.
 
Durch deinen Lichtquell treiben Universen.
Du wohnst in jedem einzelnen Atom,
bist süßes Wasser, Milch und Brandarom,
bist Urmeer, Genstrang, Rhythmus in den Versen.
 
Wär nicht die Liebe, die dich ewig bindet
(sie ist wie Licht und Wasser, unverdorben,
und wie der Sturm, der vor den Blicken steht),
 
du wärst nicht wie die anderen gestorben,
deren Vergehen traurig man verkündet.
Verstummt ist das Herzrhythmusmessgerät.
 

 

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Andreas Vierk schreibt seit seinem zehnten Lebensjahr Prosa und Lyrik. Er verfasste die meisten der Gedichte des „Septemberstrands“ in den Jahren 2013 und 2014.

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