Patrick Rabe

Sei mein Gast/das Hotel


 
Hier ein Text meiner Frühphase - ich schrieb ihn mit 17 für meine Band, nach dem Konsum von "Satansmusik". Sowas kann ich auch, dachte ich.

Sei mein Gast
 
Ich sehnte mich nach Brot und Wein, und kehrte in ein Gasthaus ein,
ich glaube zu erinnern, dass es "Zum Widder" hieß.
Am Tresen stand ein großer Mann, der hatte rote Kleider an,
ich weiß noch, dass er mich sehr froh willkommen hieß:
 
Refr: Sei mein Gast und mache rast,
bleibe noch etwas hier,
roter Wein lähmt dein Bein,
und du gehörst längst schon mir!
 
Der Wein war hier vortrefflich gut, so warm und edel, fast wie Blut,
er machte mich halb lebend und halb tot.
In Halbtrance sah ich Mädchen wild umschwärmen wie ein Götzenbild
den Mann, den Wirt, das Wesen ganz in Rot. (Refr.)
 
Und dann sah ich ein Augenpaar, der Mann in Rot kam mir ganz nah,
und sprach: "Du wirst von heute an mein Diener sein.
Im Wein bist du ganz neu erwacht, als Seelenfänger in der Nacht
bringst du mir künftig weit're Gäste ein. (Refr.)
 
 
 
© by Patrick Rabe, 1994.


Natürlich werden einige Kundige bemerkt haben, von welchem bekannten Song ich hier "abgekupfert" habe... natürlich ist es das "Hotel California" von den Eagles. Der Text der angeblichen La Vey- Anhänger ist natürlich besser und vielschichtiger als mein Jugendelaborat, weswegen ich ihn hier erstmals deutsch übersetzt habe. (Wieder mal eine meiner gefürchteten Übersetzungen!!! Aber ausnahmsweise nichts von Dylan.



Das Hotel
Autobahn in der Wüste, kalter Wind im Haar,
der Geruch von Colitas umwehte mich wie ein Mahr.
Irgendwo in der Ferne sah ich ein schimmerndes Licht,
über mir leuchteten Sterne, macht's jetzt der Motor nicht?
 
Sie stand dort im Torweg, ich hörte Glockenklang,
und ich dachte, dass dieser Ort Himmel und Hölle sein kann...
Sie entzündete eine Kerze, ging ins Haus mir voran,
ich hörte Stimmen im Korridor, ihren Wechselgesang:
 
"Willkommen im Hotel California,
so ein schöner Ort, hier willst du nie mehr fort!
Viele Zimmer im Hotel California,
stets und jederzeit stehen sie bereit!"
 
Ihr Geist war kaufhausgeschädigt, sie fuhr den Mercedes Benz,
um sie rum war'n hübsche Jungs, sie nannten sich ihre Friends
tanzten sie im Gerichtssaal im süßen Sommerschweiß,
um zu erinnern, was niemals war, um zu vergessen, was keiner weiß?
 
Ich rief nach dem Kellner und bestellte mir Wein,
er sprach: "Wir hatten diesen Geist nicht hier, seit Nienteen Sixtynine!"
Und die Stimmen, sie sangen die ganze Nacht,
erinnerten mich, wo ich war, sobald ich aufgewacht.
 
"Willkommen im Hotel California,
so ein schöner Ort, hier willst du nie mehr fort!
Lass es dir gut geh'n im Hotel California,
der Tag kommt früh genug, beendet den Betrug..."
 
Spiegel an der Decke, pinker Champagner auf Eis,
und sie sagte: "Wir sind alle Gefangene hier, was jeder von uns weiß!"
Und in den Meistersälen nahm ein Festmahl seinen Lauf,
sie stachen das Tier mit Messern aus Stahl, doch es stand immer wieder auf.
 
Das letzte, was ich erinner: ich rannte schnell nach der Tür,
nur eine Passage nach draußen, weg, weit weg von hier!
"Entspann dich!", sagte der Mann der Nacht, "Du wirst es schon noch versteh'n.
Du kannst auschecken, wann immer du willst, doch du kannst niemals geh'n!"
 
© by the Eagles, Asylum Records 1976
Übersetzung: © by Patrick Rabe, 2016.



Auch ich verstehe logischer Weise nicht alle Anspielungen in diesem Song. Nur soviel: "Colitas" ist ein mexikanischer Slang für Marihuana. Und die Landlady des Hotel California dürfte Janis Joplin sein. Meine Interpretation ist, dass es hier um die Hippiegeneration (Die größten Städte von Kalifornien waren ihre Hochburg) und ihren Drogenkonsum geht. Dieser ist zunächst noch süß und einladend, entpuppt sich dann aber als Hölle.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 19.03.2016. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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