Michael Steinhoff

Die Alten 3

Die Politik beklagt gar sehr,
der Alten werden immer mehr,
sie drücken mit dem Ruhestand,
glatt den Sozialstaat an die Wand.
 
Wie viele sind da, eigentlich,
dazu zu rechnen unterm Strich,
in einer netten kleinen Stadt,
die so fünftausend Bürger hat?
 
Ich habe einmal nachgezählt,
wie sich’s in unsrer Stadt verhält,
im Anzeiger der Stadt ich find,
die Siebzig oder älter sind.
 
Zweitausendelf verehrt man da,
neunhundertsechzig  Jubilar;
doch Rentner sind’s wohl noch viel mehr,
die Ruhestand verdient gar sehr.
 
Dazu zähl noch die Aussortierten,
die Leistungsdruck nicht mehr parierten;
die Zahlen sind mir nicht bekannt,
die vorzeitig im Ruhestand.
 
Und dann noch die, die gar nicht mehr,
gefragt sind im Geschäftsverkehr,
die Abgeschobnen im Revier,
die Politik nennt sie Hartz vier.
 
Wenn ich die alle mal saldiere,
und mir so vor Augen führe;
liegt da Potential nicht brach,
unter dem Gemeinde-Dach?
 
Andrerseits, man weiß es doch,
die Alten werden älter noch,
die Kraft lässt nach, die Hilfe dann,
bald keiner mehr bezahlen kann.
 
Gibt es da nirgends Synergie?,
aber wie organisiert man die?;
und ich entdeck am Donaustrand,
ein Städtchen, das die Lösung fand.
 
Die Alten schließen sich zusammen,
wenn Hilfe nötig war, sie kamen,
und nicht nur übern Gartenzaun,
sie taten sich noch mehr zutrau’n.
 
Denn schließlich wussten alle ja,
brauch ich mal was, sind sie auch da;
man muss nur Hemmung überwinden,
dann kann man zueinander finden.
 
Sie nennen sich Genossenschaft,
bündeln gemeinsam ihre Kraft,
so wird der Tag auch nicht zu lang,
ein Mittel gegen Müßiggang.
 
Und sieh, es dauerte nicht lange,
war keinem vor dem andern bange,
und bei Fünfhundert traten bei,
zu dem System, das einwandfrei.
 
Zwar muss man sich mit Ämtern plagen,
die gleich vermuten Schwarzmarkt-Taten,
weil Leistung hier nicht Steuern bringt,
dem Staat, der Stadt, die gerne nimmt.
 
Aber es spart doch schließlich Kosten,
wenn Alte nicht zu früh einrosten,
weil am Gemeinwohl orientiert,
was eine Kleinstadt sicher ziert.
 
Na, liebe Stadt, wär’ das für dich,
nicht eine Chance unterm Strich,
wenn deine Alten, und die es werden,
zu so einem  Selbsthilfe-Ring gehörten?
 
Beim Stammtisch, ja da hör ich schon,
in dieser Richtung einen Ton,
doch für die volle Melodie,
braucht es noch mehr an Synergie!
 
Da braucht’s die selbstbewussten Alten,
die ihre Zukunft selbst gestalten,
die wissen, hinterm Tellerrand,
bietet das Leben noch allerhand.
 
Man altert, aber rostet nicht,
wenn man nur überwindet sich,
und packt ein Tagwerk, das man kann,
mit Mut und Erfahrung wieder an.
 
Kieselstein    09/2012
 
Anmerkung: Die Anregung stammt aus Riedlingen an der Donau
 

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