Mario Morgenroth

Ein rauschendes Fest

Der Nikolaus fährt mit der Bahn,
um pünktlich anzukommen,
die Polizei hat ihm (im Wahn)
den Führerschein genommen.

Geschenke hat er nicht dabei,
die müsste er sonst tragen,
doch dafür von den Ruten drei,
um strafend zuzuschlagen.

Vom Bahnhof fährt er mit dem Bus,
nicht mit dem Taxi, weiter,
weil er ein wenig sparen muss,
für eine neue Leiter.

Im Kneipenviertel steigt er aus,
um vierzehn Pils zu trinken,
dann sieht er in dem Nachbarhaus
zwei Damen, die ihm winken.

Es bleibt ihm noch genug der Zeit,
für ein - zwei Schäferstündchen.
Er macht sich für das Spiel bereit:
"Die Herrin und das Hündchen".

Aus ein-zwei Stunden werden vier,
so gut hats ihm gefallen,
Champagner, Sekt, ist alles hier,
es schmeckt, die Korken knallen.

Es juckt und beißt, der Kopf tut weh,
kein himmliches Erwachen,
ein Blick zur Uhr, o weh, o weh,
er greift nach seinen Sachen.

Der Spross der Meiers weint im Flur,
kein Nikolaus gekommen.
Die Mutter fragt: Wo ist er nur,
was hat er denn genommen?

Der Vater sagt (die Miene hart):
Nun hör doch auf zu motzen,
die Prügel bleibt dem Kind erspart
und ich kann Tatort glotzen.

Und plötzlich läutet es ganz laut,
die Messingglocken schallen,
da steht ein Kerl mit blasser Haut,
um in die Tür zu fallen.

Der Notarzt kommt, ist hektisch drauf,
acht Spritzen, eine Pille,
verurkundet im Lebenslauf:
Er hatte sechs Promille.

Und die Moral von der Geschicht,
was soll ich dazu sagen?
Manches sagt man besser nicht,
so hört auch auf zu fragen.

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