Andreas Vierk

Wir sind nur Hauch X-XII

 
X
 
Für unsre Gärten sind wir schwer zu tragen,
die Häfen ächzen unter unsrer Last.
Die Städte welken in der Sonnenglast
und wollen uns an unsren Fersen nagen.
 
Die Fauna hat uns wütend angeknurrt.
Wir sind ihr Gegenteil, wir sind absurd.
Wir sind ihr fern, und doch ist sie uns nah.
Wir denken. Sind für Analysen da.
 
Erkennen wir uns selbst? Sind wir so weise?
Wir schrumpfen, sind der eigne Epigone.
Die Opernhäuser fliehen vor uns leise.
 
Selbst unsre Rosen tragen an uns schwer.
Die Knöchel fesselt uns ein Binnenmeer.
Auf unsren Schultern lasten die Balkone.
 
 
 XI
 
Auf unsren Schultern lasten die Balkone,
auf denen Nachbarn unter Efeulauben
in Straßenlärm und Nachtigalln ertauben
mit Rotwein unter einer Sternenkrone.
 
Mit Schuppenflechten unter Schlüsselbeinen
streichen wir heimlich um die Litfaßsäulen,
den Wasserball Frau Lunas anzuheulen,
uns mit Frau Wirtin liebend zu vereinen.
 
Der Fahrradkorso im Chinesenviertel,
für dich und mich ein Strauß Vergissmeinnicht –
das lässt uns wieder atmen für Momente.
 
Am Scheitel, der Asteroidengürtel
verleiht den Schläfen modische Akzente. –
Wir sind nur Hauch und Strom und Neonlicht.
 
 
XII
 
Wir sind nur Hauch und Strom und Neonlicht.
Wie Fruchtfleisch ist die Wohnarchitektur.
Wir fangen damit unsre Windnatur,
bis sich der Affe wieder Bahnen bricht,
 
der Affe unter Affen in den Zoos,
das Zirkusäffchen auf dem Leierkasten,
dem Kaufpassagen auf den Schultern lasten
und Gänge goldverbrämter Hochglanzklos.
 
Und einer ist des andren Misanthrop,
an jedem fressen Pein und Eigenlob
und wagen es, die Seele anzunagen.
 
Der Geist wird weichgespült in Waschmaschinen.
Wir stellen Ängste aus in Glasvitrinen.
Die Sonne schmilzt in unsren Müllanlagen.
 
 

 

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Andreas Vierk schreibt seit seinem zehnten Lebensjahr Prosa und Lyrik. Er verfasste die meisten der Gedichte des „Septemberstrands“ in den Jahren 2013 und 2014.

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