Heike Henning

Autobahn

 


Die Autobahn in Deutschland ist
Anziehungspunkt für den Tourist,
denn die Piste aus Asphalt
ist Rennstrecke für jung und alt.

Nirgendwo, wie hierzulande
steigt der Tacho bis zum Rande,
wenn man´s Gaspedal bedient,
weil fast keine Grenzen sind,
gemacht von uns´rer Obrigkeit
für die Fahrgeschwindigkeit.

Auch kann man bei uns ganz gut
rechts überholen ohne Mut.
Die Polizei, sie ist recht rar
und meistens ist sie garnicht da.

Und so beginnt die große Schlacht-
Auffahrt rauf und mitgemacht!

Ein LKW mit Hänger schwer
beladen, hindert den Verkehr.
Er überholt g´rad mit Geduld
´nen Kollegen, der zu langsam rollt.

Der Tacho zeigt Hundertundzehn
ach, dieser Tag ist wunderschön.
 Der Fahrer tut sich heimlich freu´n
 denn sein Kolleg´ fährt Hundertneun.

Das ganze wird aus gutem Grund
´nem schnellen Fahrer jetzt zu bunt.
 Er hupt mit Licht und macht Gebärden,
 die immer wunderlicher werden.

Den LKW, den stört das nicht,
er ignoriert der Hupe Licht.
Der Fahrer denkt: „Ein Flitzer – teuer,
und wiedermal ein Aff´ am Steuer."

Von hinten rechts kommt wie der Blitz
ein toller Wagen angeflitzt.
Er ist immun gegen Gesetze,
denn er ist in großer Hetze.

Wenn er den Moment verschläft,
ihm entgeht ein Mords-Geschäft.
Außerdem – man sieht es gern,
blitzt am Wagen vorn ein Stern.

Wenn er fährt am Seitenstreifen
mit ´nem flotten, breiten Reifen,
sind alle andern hochentzückt
und wünschen ihm Gewinn und Glück.

Nur der Flitzer-Fahrer grollt,
er kommt von hinten angerollt.
Wer ist hier schneller noch, als er?
Das zu glauben, fällt ihm schwer!

Man möge es nicht recht begreifen,
denn nun beginnt - ein Rennen –
auf dem Seitenstreifen!

Auf rechter Spur fährt mit Behagen
ein kleiner ält´rer Damenwagen.
Es sitzt darin die Mutter Schmidt
und auch der Dackel musste mit.

Der Dackel schaut mit treuem Blick,
sie hör´n im Auto Volksmusik.
Sie fahren heute nach Berlin,
zur lieben Verwandtschaft,
mit wenig Benzin.

Und es kam, wie´s kommen muss,
die Fahrt geht weiter nun zu Fuß.
„Warte nur, Berliner Bär,
jetzt kommen wir per Anhalter!"

Jetzt kommt ein Kerl mit einer Biene
auf ´ner flotten Rennmaschine.
Lückenspringen immerfort,
ist des Biker´s Zauberwort.
Mal rechts, mal links, es ist egal,
er überholt in jedem Fall.

 Und manchmal sägt er - ziemlich keck -
den einen oder and´ren
Seitenspiegel weg.
Nur der vom Flitzer, der wird teuer,
das Auto ist noch garnicht alt
und drinnen sitzt (plus Mehrwertsteuer)
ein angeseh´ner Staatsanwalt.

Wer ist denn dieser dünne Mann da,
in dem ausgedienten Auto?
Ob er das Lenkrad halten kann?
Mir scheint, das Lenkrad hält den Mann!
Die ganze Kiste ist verbogen,
ist er am Ende selbst auf Drogen?

In Schlangenlinien fährt er jetzt,
mal langsam, mal schnell,
mal grad, mal versetzt.
Nun blinkt er gar, als wöllt´ er wenden,
wie wird denn diese Fahrt noch enden?

Ich schlucke runter meine Wut,
und hoffe, dass er andern
keinen Schaden antut!

Auf Kilometer 2010
 kommt das ganze Blech zum Steh´n.
Polizei und THW,
Samariter, viel Blut – oh weh!
Feuerwehr, Blaulicht, Scherbenhaufen,
einer muss mit Krücken laufen,
ein and´rer wird g´rad rausgeschnitten,
er hat ziemlich viel gelitten.

Und daneben in der Runde
steh´n die Gaffer mit off´nem Munde.
Um zu zeigen die Sensation
Tante, Onkel oder Sohn,
hat man das Smartphone
schnell gezückt-
für ein Foto - ganz entzückt.

Nur der Notarzt in der Menge,
kommt nicht durch
bei dem Gedränge.
Doch das stört die Leute nicht,
wichtig ist nur - gute Sicht!

Der Herr dort drüben – Journalist
neugierig wie immer ist.
Int´ressieren tut ihn sehr,
wer die Schuld hat im Verkehr.
Doch, oh weh, welch große Not,
der Schuldige, der ist schon tot!

Nun mit Fleiß und großer Eile
notiert er diese Schlagzeile.
Und morgen früh, fast überall
kann man es lesen im Journal.

Im Radio ´ne Stimme, jung
meldet im Verkehrsrundfunk:
„Sperrung Autobahn für Stunden,
Unfall auf der A XX,
bitte alles weit umrunden,
ausgeschildert ist noch nix."

Ach, das Ende der Geschicht´
erreichen wir noch lange nicht,
denn der Tag, er ist noch jung
und ewig ist die Umleitung.

Nun fahr´n alle frisch und munter
von der Autobahn jetzt runter.
Keiner kennt den Weg so recht,
die Fahrt geht schleppend,
die Straße ist schlecht.

Nach fünf Stunden Quälerei
über Äcker und Felder,
an Kühen vorbei,
durch Pfützen und Morast,
steht plötzlich da – die Polizei,
und lacht sich ´nen Ast.

„Wohin woll´n Sie? Nach Berlin?
Dann tanken Sie mal noch Benzin.
Oder woll´n Sie mit uns Kirchweih feiern?
Sie sind doch hier in Niederbayern!

In Keilershofen, hinter den Stad´ln
gibt's ein paar ganz fesche Mad´ln.
Mit strammen Wad´ln,
und viel Holz vor der Hütt´n,
die muß mer net recht lange bitten."

Der Flitzer-Fahrer ist interessiert,
der mit dem Stern sich zum Schein etwas ziert.
Dann denkt er sich: „Ei, das wär
gar nicht schlecht", und läßt sich locken
vom schönen Geschlecht.
(und vergißt sein Mords-Geschäft)

Nur der Trucker ist ziemlich frustriert,
so etwas ist ihm noch nie passiert!
Vom Fahren ist er erstmal platt,
schon lang er seine 10 Stunden hatt´.
Jetzt isst er sich hier richtig satt.

Die Hax´n und das Sauerkraut,
das Bier, nach Reinheitsgebot gebraut
und bay´rische Gemütlichkeit -
jetzt nimmt er sich mal richtig Zeit!

 Bleibt hier - ´ne gefühlte Ewigkeit...
...der Chef kann warten,

Mahlzeit!

Und morgen, nach ´ner ruhigen Nacht,
geht´s wieder in die nächste Schlacht:

"A u f f a h r t   r a u f
   u n d   m i t g e m a c h t ! "

 

 

Es ist mein längstes Gedicht bisher, ich hoffe, Ihr haltet bis zum Ende durch :-)Heike Henning, Anmerkung zum Gedicht

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 02.12.2016. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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