Bernhard Pappe

Der Gesang von Schuhen und Wegen


Ich stehe vor euch oder ihr vor mir, eine Frage des Standpunkts.
Wollte ich den Standpunkt wechseln, dann müsste ich einen Schritt machen, gar einen Weg gehen.
 
Meine Schuhe, wie vermag ich das ohne euch?
Ich, der Eigner urbaner Fußsohlen.
Diese registrieren jeden meiner Auftritte in dieser Welt.
 
Was würde ich ohne euch tun, meine Schuhe?
Ich müsste erspüren das Heiße und das Kalte, das Spitze und das Runde.
 
Die Oberfläche der Welt hat eine Struktur, mit der es umzugehen gilt.
Die Welt bietet viele Wege, die ich gehen kann; manche, die ich gehen muss.
Meine Schuhe, ihr bietet mir stets treulich euren Schutz hierfür an.
 
Ich weiß nicht immer, welche Wege sich in den nächsten Tagen vor mir ausbreiten werden.
Ich vermag es aber, aus eurer Vielfalt auszuwählen.
 
Sind mir die Wege und die Anlässe ihres Beschreitens bekannt, dann ist das Treffen der Wahl einfach.
Betrete ich Neuland, wandle ich auf unbekannten Pfaden, dann bedarf es ein wenig vom Glück, um die rechte Auswahl zu treffen.
Mein Vertrauen ist groß genug, das Unbekannte, das bis zum Horizont und darüber hinaus reicht, mit euch zu beschreiten.
 
Ich schaue dankbar auf euch hernieder.
Trotzdem ist da mein Entschluss, ein wenig mehr barfuß durch diese Welt zu wandeln.
 
Der Tag am Meer, das Laufen am Strand ist in meinen Schuhen ungewohnt mühselig.
Ich streife sie einfach ab und erspüre da eine Kühle.
Sand rinnt durch meine Zehen, Wasser spült ihn wieder ab.
Die Welt hat wieder eine erfühlte Struktur, die sie mir preisgibt, ich mache hierin meine mir eigene Fußabdruckstruktur.
Kleine Wellen lassen das alles hurtig zerfließen.
Die Welt ist ruhig und friedlich und sie flüstert mir zu, dass ich auch mal ohne Bollwerke an den Füßen zu sein vermag.
Ich wandere am Strand entlang, Meile um Meile, es ist ein langer Weg.
Der Abend senkt sich herab und mahnt die Heimkehr an.
Es ist eine Rückkehr auf Wege, die nicht ohne Gefahren sind; ich betrete sie gut geschützt, in meinen Schuhen.

© BPa / 12-2016


 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 11.12.2016. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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Es wurde sehr viel geschrieben über jene Jahre der unseligen Diktatur eines wahnwitzigen Politikers, der glaubte, den Menschen das Heil zu bringen. Das meiste davon beschreibt diese Zeit aus zweiter Hand! Ich war dabei, ungeschminkt und nicht vorher »gecasted«. Es ist ein Lebensabschnitt eines grünen Jahzehnts aus zeitlicher Entfernung gesehen, ein kritischer Rückblick, naturgemäß nicht immer objektiv. Dabei gab es Begegnungen mit Menschen, die mein Leben beeinflussten, positiv wie auch negativ. All das zusammen ist ein Konglomerat von Gefühlen, die mein frühes Jugendleben ausmachten. Ich will versuchen, diese Erlebnisse in verschiedenen Episoden wiederzugeben.

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