Evelyn Goßmann

WIR - in der Zeit

Das Vergangene hat schon
ein wenig schneeiges Weiß ins Haar gewirkt,
und mit Kunstfertigkeit
das Sorgenvolle wie das Heitere
feinliniert in die Haut graviert.
Ruhiger scheinst du,
gelassener jeden Augenblick lebend,
wissend dass die Zeit nur in eine Richtung läuft;
vorwärts, unaufhaltsam, nicht einholbar,
 und schon Vergangenheit ist beim nächsten Wimpernschlag.
 
Leben wir Momente
wie eine bunte Wildblumenwiese,
die sich nicht um das Vorher oder das Nachher kümmert,
sondern ihre Zeit lebt,
und sich mit leuchtenden Farben und
 nickenden Blütenköpfen bedankt.
 
Alle ungenutzten Augenblicke
verwehen wie Sand im Wind,
 und feine Schaumbläschen beim Wellenschlag.
Zunehmend erhebt sich blassblaues Aderngeflecht
wie feinste Flussabzweigungen auf knittrigen Handrücken
wenn die Hände aufeinander liegen.
 
Die Augen scheinen unverändert;
immer liebevoll, stets besorgt.
Voller Wärme und Verstehen  ruhen sie auf dem Antlitz des anderen.
Dunkler Glanz verhüllt in samtiger Tiefe
ihnen wichtige Geschichten diverser Lebensphasen,
und ihre ureigenen Geheimnisse.
 
Wie Stummfilme ziehen sie vorüber in innigen Momenten,
leben alterslos in ihnen,
werden beim Erzählen `weißt du noch`  zu neuem Leben geweckt,
 und irgendwann Vergissmeinnicht der Herzen sein.
 
Wortlos ist ihr Verstehen
in gegenseitiger Dankbarkeit
 über alle unvergänglichen Schätze und Geschenke des Lebens.
Ob schwarz ob weiß,
alle sind Kleinode an der Perlenschnur ihres Lebens.
 
Unterbrechungen silberner Sternchen in der Kette
sind Symbole für bewältigte Aufgaben
und außergewöhnliche Lebenskapitel.

 

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