Rainer Tiemann

Zu spät erkannt

Jans Heimat war das platte Land,
für ihn sein Himmelreich.
Er war gleich außer Rand und Band,
als er sah einen Scheich.
In Hamburg, nah der Reeperbahn,
war es zum ersten Mal.
Der mietete für sehr viel Geld
ein Mädel seiner Wahl.
Das ist doch teuer, dachte Jan,
was man sich dafür kaufen kann!


Mit fünfzig dann zum ersten Mal,
hat Urlaub er gemacht.
Es war am Mittellandkanal
und schöner als gedacht.
Bei Wolfsburg war es herrlich still,
der Zeltplatz ganz famos.
Dort traf Jan eine, die hieß Jill,
die ließ ihn kaum noch los.
Als Frau zu teuer, dachte Jan,
was man sich dafür kaufen kann!


Als er zurück im platten Land,
da war er richtig froh.
Hier war er heimisch und bekannt,
und das gefiel ihm so.
Ein Fahrzeug besaß Jan auch nicht,
wozu sind Beine da?
Als er erkrankte dann an Gicht,
half Schwester Erika.
Doch die war teuer, dachte Jan,
was man sich dafür kaufen kann!


Noch mit fast sechzig wohnte er
in einem Raum, recht klein.
Und keiner kam zu Jan noch her,
der einsam und allein.
Als er nur lag im Krankenbett,
da wurde ihm erst klar:
Wenn ich doch eine Frau nur hätt',
das wäre wunderbar!
Sie wäre bei mir, dachte Jan,
ob ich mir eine kaufen kann?


Doch wie 's im Leben oft so geht,
Jan hat nie dran gedacht.
Und jetzt war alles viel zu spät,
Einsicht kam über Nacht.
Auch als Jan starb, war er allein,
kein Mensch in seiner Näh'.
Schnell holte ihn Gevatter Hein,
sein Grab lag nah am See.
Seenixen spielten dann mit Jan,
die man mit Geld nicht kaufen kann.


RT 2017

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 17.01.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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