Michael Steinhoff

Der Ablasshandel

Reformations-Gedächtnis-Leid,
 
Fünfzehn-siebzehn schlug ein Mann,
in Wittenberg mal Thesen an,
weil ihm ward Lug und Trug bekannt,
in unserm deutschen Vaterland.
 
Ein Mann, der Tetzel sich genannt,
zog mit `nem Kasten durch das Land,
und schwatzt viel Geld den Menschen ab:
„statt Fegefeuer nach dem Grab“.
 
Man nannte Ablasshandel das,
wofür er ein Patent besaß,
vom Papst verbrieft; ganz opulent,
auf Dummenfang durchs Land er rennt.
 
Und nun, fünfhundert Jahre weiter,
ist Christenheit da wohl gescheiter,
die sich auf Luthers Lehr beruft,
bei Feierstund’ und Kerzenduft?
 
Mitnichten, denn auch Tetzel hat,
´ne Jüngerschar, die Kasse macht,
und hat dazu auch ein Patent,
das man heut Bankgeheimnis nennt.
 
Der Vater Staat verbrieft es ihm,
das Volk ist dümmlich -sagt er-, nimm
ihm ab, was du mit List vermagst,
dass du über Gewinn nie klagst.
 
Zuförderst hilft ihm die Partei,
die vorgibt, dass die christlich sei,
treibt vom Gewinn nie Steuern ein,
sie predigt Wasser, trinkt lieber Wein.
 
Herr Luther, wenn du auferstehst,
und heut durch dieses Deutschland gehst,
sag ja nicht „Marx“, weil man dich dann,
nach Worms wieder bestellen kann.
 
Denn jetzt regiert das Kapital,
in seinem gut geschützten Saal,
und windet Dornenkrone dir,
Verstand im Kopf gilt nicht als Zier.
 
Bleib lieber still in deiner Gruft,
bis Gott zum jüngsten Tage ruft,
dem Jubelkult ob deiner Tat,
genieß ihn still, das ist mein Rat.
 
Mehr noch als das Schreckgespenst,
das  Tetzel  „Fegefeuer“ nennt,   
fürchtet das christlich Kapital,
eine Rendite – Mangel – Qual.
 
Denn sein Ziel der Weltgeschichte,
ist, dass Forbes mal berichte:
„Der Banken-Versicherungs-Allianz,
gehörte zum Schluss die Erde ganz.“
 
Wenn Luther das je sehen sollte,
wie Inhuman der Erdball rollte,
dann wüste er zum letzen Schluss:
„Auch ich war nur ein Sisyphus.“
 
Kieselstein   2/2017
 

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