Patrick Rabe

Buchstaben

(Dies ist ein Parallelgedicht zu "Für P.R." von Andreas Vierk)

Buchstaben

 

Im schwülen Dunst der Hadesmeere

fuhr stöhnend eine Strafgaleere.

Schwül-schwul-verschwefelt war'n die Sklaven,

und schwitzten unter Höllenstrafen.

Sie hatten alle keine Namen,

dafür gab es hier keinen Rahmen.

Nur eines durften jene haben:

Buchstaben.

 

Von zweien will ich euch berichten,

will sie als R und V bedichten.

Allbeide suchten einmal Gott,

R in den Frau'n, V im Schafott,

beziehungsweise mehr am Galgen.

Gefunden ha'm sie nichts als Algen

und Schweiß und Tränen hier am Ruder;

kein Himmelslicht, kein Boxenluder!

 

Und während Höllenwellen schäumen,

ergeh'n sich beide still in Träumen.

Der V, der träumt vom transzendier'n,

der R vom Sex auf allen vier'n;

doch treffen sie sich in der Mitte

von Shivas Tanz auf Liliths Titte.

Und V, der sah es kommen schon:

Der R schrie laut nach Rebellion!

 

Das war nun nicht nach seiner Nase,

er rief: "Nun rase, Freund, doch bitte rase

nicht hier in meinem Kalifat,

find erst dein Selbst, das ist mein Rat!"

Darauf sprach R: "Du hast 'ne Meise!

Wir sitzen beide in der... Galeere!

Ich will erst unser'n Feind vernichten,

dann kann mein Ego ich durchlichten!"

 

Darauf sprach V: "Hör auf zu schwanken!

Den Feind gibt es nur in Gedanken!

Er löst sich auf im Himmelslicht,

entfernst du erst die Maya-Schicht!"

Da grölte R: "Das wird nicht glücken!

Ich will mal wieder richtig ficken!

Doch hier an Bord sind ja nur Männer,

dabei bin ich doch Frauenkenner!"

 

Der V schlug in die Wellen drauf,

doch R's Revolte nahm den Lauf,

den man schon seit George Orwell kannte.

Da flammte auf der Geist von Dante.

(Ihr wisst schon: Göttliche Komödje)

Er sprach: ich hol euch von dem Böötche!

Kein Marx hilft euch, und auch kein Nietzsche;

klammert euch fest an Beatrice!

 

Da ließen Beide ihren Streit

und hängten all ihr Sklavenleid

an Beatrices holdes Bild,

das war fortan ihr Schutz und Schild.

Gen Himmel reiste drauf ihr Kahn,

befreit war'n sie von Trug und Wahn.

Was sie uns ließen zum Erlaben?

Buchstaben.

 

 

 

 

 

 

© by Patrick Rabe

4. März 2017.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 04.03.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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