Patrick Rabe

Judith

 

l. Weltzeit

 

Als er den Heiland dort am Kreuze grüßte,

ward er von Schamesröte heiß erfasst,

oh, wie er seine Sünden innig büßte!

Er legte vor das Kreuz die schwere Last.

 

Er ging zur Bank, um sich erneut zu setzen,

den Rosenkranz in Demut scheu ergreifend,

aus Angst, sein Herz könnt' es dem Priester petzen,

es spiegelt sie, und sie kam fröhlich pfeifend.

 

Ach, Jesus, ich will deine Liebe lernen,

dein Leib sei mir mein Kreuz und meine Ros'

lass mich ihr Bild dir in der Stille beichten!

 

Und doch, ich kann es aus mir nicht entfernen,

ihr roter Mund gibt mir den Todesstoß,

ich sehn mich nach der Liebe, nach der leichten.

 

 

ll.  Ikone

 

Ein Strahlenkranz umgibt ihr Haupt wie Weizen,

und Psalmen liegen auf dem wilden Mund,

lobsingen Gott, indem sie teuflisch reizen,

und tun der Liebe Balsam stärkend kund.

 

In ihrer Hand das Kreuz, verspielt und zärtlich tändelnd

reist es durch ihre Finger, und sodann

lässt sie ihr Kleid, dem Freunde sich verbändelnd,

Auch Jesus war am Ende nur ein Mann.

 

Der Körper ist die Leibgestalt der Seele,

und Licht fließt in den Adern, rot wie Blut,

ein Falke sirrt am Himmel in der Bläue.

 

Du bist das Herz, das ich mir heut erwähle,

bleib bei mir, sei gewogen mir und gut,

dann schwör ich dir für diese Stunden Treue.

 

 

lll.  Transfiguration

 

Als Ähren goldverbrannt uns fröhlich grüßten,

und Straßenstaub zerstob im Sonnenglast,

als Kinder sich die Zeit im Spiel versüßten,

da nahmst du sie von mir, die schwere Last.

 

Im Kirchenschiff sitzt Gott in seinem Kerker,

so weißgetüncht, so kalt im Dämmerlicht,

das Leben wich, es droht aus jedem Erker

erst Golgatha und dann das Strafgericht.

 

Von dir will ich den Weg zur Liebe lernen,

dein Leib sei mir mein Kreuz und meine Ros',

lass mich in deiner Krypta beichten!

 

Am Felde, in den Wiesen, unter Sternen,

da lege ich mein Weh in deinen Schoß,

und meine Freude. Wie sie himmlisch leuchten!


© by Patrick Rabe
5. März 2017.


 

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