Christina Gerlach-Schweitzer

Osterlamm

Zu Ostern gibt es bei uns Lamm
schon solang’ ich denken kann.
Alle kommen uns besuchen,
denn zum Lamm gibt es auch Kuchen,
Pudding und noch Schokolade,
Böhnchen und die Marinade,
Minze und auch Thymian,
mit ein paar Kartoffeln dran.
Zu der leckeren Karbonade
schmecken Wein und Limonade.
Mir stellt man nur Tofu hin,
weil ich doch Neu-Veganer bin,
verspottet mich und ärgert sich,
die isst ja unseren Braten nicht.
Das schöne Lamm so nicht zu schätzen,
die liebe Hausfrau zu vergrätzen.
Ach, sollen sie sagen, was sie wollen,
ich ess meine Kartoffelknollen.
Ja, mir schmeckt es sogar besser,
ich bracht kein Tier ans Schlachtermesser.
Was keiner gerne wissen wollte,
war, dass ein Lämmchen sterben sollte.
Es stirbt ein Tier, das man dann isst,
Damit es Ostern fröhlich ist.
Man riss es von der Mutter fort,
zitternd stand’s allein am Ort.
Dann stach ein Mensch das Tierchen ab,
aus Tradition, für den Geschmack.
Es lief sein Blut auf Stahlbeton,
ach, ich schweige jetzt davon.
Die Bilder machen mich befangen,
der Wunsch nach Fleisch ist mir vergangen.
Ich kann und will das einfach nicht,
dass für mich ein Auge bricht.

 

 

 

 

 

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