Wally Schmidt

Meine vier Püppchen

 

(Kindheitserinnerungen)

(1)

Warum, wieso, ich weiss es nich',

sie war ein Mädchen und hiess Friederich.

Schnecken trug sie auf den Ohren,

Mutter hatte sie für mich erkoren.

Schilkrötpuppen waren wunderschön,

ganz allerliebst auch anzuseh'n.

(2)

Danach, einst unter'm Weihnachtsbaum,

da sass 'Sie“ ein echter Kindertraum.

Ein Kleidchen aus Organza weiss,

und sagte auch zu mir ganz leis',

Mama, wenn ich sie bewegte

oder sie in meine Ärmchen legte.

Was an ihr Besond'res war,

sie hatte Äuglein wunderbar.

Die gingen zu, wenn ich legte.

Und wenn ich sie hin her bewegte

guckten sie mal rechts, mal links,

ihr Name, der war allerdings

Doris, und ich liebte sie,

vergessen habe ich sie nie.

(3)

Danach, da kam ein grosser Junge,

Französisch lag ihm auf der Zunge.

Im Krieg da waren Puppen rar.

Als Vater dann in Frankreich war

als Soldat, bracht er ihn mit ,

die Beine machten einen Schritt.

Die Puppe, die konnt' wirklich geh'n,

ich musste nur die Puppe dreh'n

mit meinen Händen liebevoll,

ach, was war die Puppe toll!

Obwohl er ein Franzose war

hatte er doch blondes Haar.

Er sah echt Germanisch aus,

ich machte dann den Peter draus.

(4)

Mutter hatte heimlich in der Nacht,

ein kleines Püppchen selbst gemacht.

Denn im Krieg, da gab's nicht viel

was für Kinder war für's Spiel.

Ein Nylonstrumpf wurd' zurecht gemacht,

ein Puppenwunder wahr gemacht.

Ausgestopft mit weicher Watte,

man nahm eben, was man hatte.

Ein paar Knöpfchen für die Augen,

wozu die Knöpfchen ja auch taugen.

Aus Wolle wurden dann die Haare,

und bei allem war das Wunderbare,

dass sie mein schönstes Püppchen war,

ich liebte sie so manches Jahr.

 

Wir Kinder haben uns gefreut,

im Gegensatz zu manchmal heut',

wo es alles doch in Massen gibt,

ein Kind oft nicht sein Spielzeug liebt.

Es guckt sich oft nur Spiele an,

die man im Computer sehen kann.

So ändert sich das Spielen eben,

wie so manches andere im Leben.

 

 

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