Patrick Rabe

Abendmahl der Engel (ein Sonett-Duett)

 

 

Brot

 

Ich traf deine vielgeprüfte Wandrerseele

auf dem Weg in sein verheiß'nes Königreich.

Uns're Herzen kannten sich sogleich,

mir drang ein Dankeslied aus meiner Kehle.

 

Du trafst meine weitgereiste Wandrerseele

im Schatten einer Todesnacht allein.

Du hattest Mitleid, wolltest bei mir sein,

der Born, der sich dem Dürstenden vermähle.

 

Zwei Engel in der Fremde, zwei Vertraute

der Krone Christi, die aus Dornen ist,

die fanden sich, und alles wurde still.

 

Was Wanderer in Wandreraug' erschaute,

war Liebe, fern von Täuschung oder List,

war Leben, das nur glücklich strahlen will.

 

 

Wein

 

So trinken wir den österlichen Becher,

wie Judas schleichst du dich vom Abendmahl,

warst du auch nicht des Heilands erste Wahl,

ich denk an dich, ich werde einst dein Rächer.

 

Wir schlagen Schneisen in den frohen Tisch,

und keiner, der dort saß, wird dort noch bleiben,

das Tafelsilber wird sich rot entleiben

und furchtsam starrt der freitägliche Fisch.

 

Jetzt bist du fort, ein Engel ist geblieben,

er rammt sein Schwert ins Beet vorm Krankenhaus,

weiß sind die Pfleger, weiß die Schwestern.

 

Rot sind das Blut, der Wein von Gestern,

die Mannschaft an der Tafel fasst ein Graus,

ich werde dich für alle Zeiten lieben.

 

 

 

 

© by Patrick Rabe

13. April 2017, Hamburg.

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