Aylin

Zauberhafte Ehe (Parodie auf den Zauberlehrling)

Zauberhafte Ehe ( Parodie auf den Zauberlehrling)

 

 

In des Hauses edlem Kerker

schafft er unermüdlich still,

er- ein ruhiger, sanfter Werker,

weil das Weib stets andres will.

Hier noch ein, zwei Zwischenwände,

eine Tür mit Glas-Ausschnitt,

schaffen seine weisen Hände.

„ Mach doch gleich das Fenster mit!“.

 

Baue, baue

manche Strecke,

nur zum Zwecke,

dass ergieße

sich des Nachbarn Lob, der schaue,

und das Weib es dann genieße.

 

„Halt den Mund , du alter Besen,

der im Haus wie’n Lump sich hüllte.“

Wie lang ist das her gewesen,

dass sie mir ’nen Wunsch erfüllte?

„ Jogging-Hose, weite Fräcke

ist schon lang dein Look im Haus

und das Haar hängt wie zwei Säcke.

Dich beschauen ist ein Graus!“

 

Walle, walle

rasch die Strecke

zu dem Zwecke

um die Ecke

zum Friseur, dass er die Haare

so wie früher hoch dir stecke.

 

„Seht, sie läuft zur Tür nun wieder,

wahrlich ist beim Nachbarn schon.“

Und er kniet sich hämmernd nieder,

seiner Rede selbst zum Hohn.

Schon zum zigsten Male.

Wie die Stimme schwingt,

tratscht sie – ihm zur Quale,

sie’s dem Nachbarn singt.

 

Stehe, stehe,

unser Leben

ruinierst du

unermessen.

Ach, ich merke- wehe, wehe,

sie hat mich wohl längst vergessen.

 

Denn das Wort, was ihm am Ende

wohl verwehrt, was er gewesen,

zeichnet vor, gebiert behende

neues Bild im alten Besen.

Immer neue Hetz-Tiraden

stürzten auf ihn ein,

nebulöse Vorwurfsschwaden,

wie er sollte sein.

 

„Nein, nicht länger!

Kann sie’s lassen?

Nicht zu fassen,

welche Tücke.

Ach gleich kommt sie, mir wird bänger.

Welch Grimasse, welche Blicke!

 

 

Oh du Freundin jenes Bösen,

soll in Lüge ich ersaufen?

Werd mich lieber von dir lösen

und das Häuschen hier verkaufen.

Du verruchter Besen,

der nicht hören will.

Lieb bist einst gewesen.

Sei doch endlich still!

 

Willst am Ende

gar nicht lassen,

werd’ nicht fassen,

dich nicht halten

und die Ehe ganz behende

mit dem Scheidungsanwalt spalten.“

 

Seht, da kommen beide wieder,

- ach, ich sollt’ das Weib verwerfen!

Ja, vor ihm, da kniet sie nieder,

da gewinnt sie andre Schärfen.

Wahrlich gut getroffen,

seh’ ich jene zwei

Arm in Arm – ganz offen -

und ich fühl mich frei.

 

Denke, denke,

armer Wichte,

üb’ Verzichte,

denn als Knechte

wirst du enden – ihre Hände

sind im Bunde böser Mächte.“

 

 

Und er strahlt- der Eh’-Berater

vor dem Haus auf meinen Stufen.

Welch entsetzliches Theater

und ich hör sie nach mir rufen.

Er, der große Meister,

meine Not ist klein.

Sie und ihre bösen Geister

werden seine sein.

 

„Jener Schrecken,

Besen, Besen

ist gewesen!

Nimm sie – Meister,

viel zu spät wirst du’s entdecken!“

und er rührt ganz ruhig den Kleister.

(C)Aylin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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