Nadisha-Marie Aliman

Glaspuppenspielende

Ein ephemerer Lehrling
Der tut was wir sagen
Und vergisst was wir tun.
Ein besserer Schatten,
Zerbrechlich und schemenhaft,
Kein Abbild unserer Selbst.

Eine Puppe mit einem Kopf aus Glas
Auf deren Herzen sich spiegelbildlich
Unsere Ichsucht beäugelt.
Ein lebloser Witz der uns nachahmt,
Eine mondsüchtige Gestalt
Die unserem Geiste entsprang.

Das Echo aus dem Walde
In den niemand hineinschrie
Auf der Waage unserer Vorstellung.
Vor Blindheit kein grelles Licht,
Zu spät hören wir den Schall,
Denn es scheint längst über uns.

Ein ephemerer Lehrling,
Eine Puppe mit einem Kopf aus Glas
Auf deren Herzen sich spiegelbildlich
Das Echo aus dem Walde
In den niemand hineinschrie
Auf der Waage unserer Vorstellung spiegelt.

Wir sehen hindurch schimärische Leere,
Doch unser Blut ziert unerkannt
Die Messerschneide ihres Verstands.
Eine Zeitreisende ohne Uhr
Tickend, pochend, schlagend
Nach uns ... Glaspuppenspielende.

 

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Rapunzel in Puppengesprächen, Adoptivkinder auf Zeitreisen, Fragebögen, Bekundungen am Bauch der Sonne. Rätsel und Anspielungen, die uns, an Hand scheinbar vertrauter Muster, in die Irre führen. Florian Seidel hält seine Gedichte in der Balance zwischen Verschweigen und Benennen, zwischen Bekanntem und Unbekanntem. Jeden Augenblick könnte alles aus dem Gleichgewicht geraten, uns mitreißen, uns enden lassen in einem Augenblick der Verwirrung. Die in dem Gedichtband „Ein Tiger schleicht durchs Puppenhaus“ versammelten Texte schildern Suchbewegungen. Glückspiraten, Tiger, Jäger und andere Unbehauste in jenen Momenten, da die Realität Schlupflöcher bekommt und wir uns selbst im Spiegel sehen. Ein ungewöhnlich großes Sprachgefühl und vor allem die Bildhaftigkeit machen die Qualität dieser Lyrik aus.

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