Robert Nyffenegger

Älterwerden

Vor kurzer Zeit - vor vierzig Jahren -
War ich noch purlimunter.
Auf mich ist man noch abgefahren,
Da ging es drüber drunter.
 
Doch heute - ich sag’s ohne Klage -
Ist es nur noch Erinnerung.
Man zählt im Heute jetzt die Tage,
Freut sich auf jede Abwechslung.
 
Was früher ohne Mühe ging,
Braucht jetzt schon mal fast Stunden.
Die Katzenwäsche und Dressing
Benötigt zwei drei Runden.
 
Das Essen, das macht grosse Freud,
Es bleibt stets etwas hängen.
Die Blitzidee -zum grossen Leid-
Tut sich ins Leere zwängen.
 
Die Zeit die einem vielleicht bleibt,
Die möchte man gern nutzen.
Drum wundert`s nicht, wenn jeder schreibt,
Er tut so Zeit verputzen.
 
Norberto Bobbio: „Du hast immer weniger Zeit, aber wirst immer langsamer, um diese Zeit zu nutzen.“
 

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Alle Haiku-Gedichte in "Den Wind jagen" von Heike Gewi sind im Zeitraum von Januar 2008 bis 2012 entstanden und, bis auf einige Ausnahmen, als Beiträge zur World Kigo Database zu verstehen. Betreiberin dieser ungewöhnlichen Datenbank ist Frau Gabi Greve. Mit ihrer Anleitung konnte das Jemen-Saijiki (Yemen-Saijiki) systematisch nach Jahreszeitworten für Bildungszwecke erstellt werden. Dieses Jahr, 2013, hat die Autorin die Beiträge ins Deutsche übersetzt, zusammengefasst und in Buchform gebracht. Bei den Übersetzungsarbeiten hat die Autorin Einheimische befragt und dabei kuriose Antworten wie "Blaue Blume – Gelber Vogel." erhalten. "Den Wind jagen" heißt auch, Dinge zu entdecken, die sich hoffentlich nie ändern. Ein fast unmögliches Unterfangen und doch gelingt es diesen Haikus Momente und zeitlose Gedanken in wenigen Worten einzufangen und nun in dieser Übersetzung auch für deutschsprachige Leser zugänglich zu machen.

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