Annelie Kelch

Rache und Riegel

Sechs Häuser standen in Flammen innerhalb einer Woche;

ich half nicht, sie zu löschen, stand einfach nur da

und sah zu, wie mein Gartenhaus verkohlte,

mein Gartenhaus, darin ich elf Romane schrieb.

Rache riecht nach Schwefel und beißt in den Augen.

 

Der sich wenige Tage später in den Abgrund stürzte:

auch er, nichts weiter als ein schnöder Rächer.

Jetzt durften wir zusehn, wie wir die

Trinker zurückdrängen und in Schach halten

konnten, die über die Schwellen unserer Häuser drangen -

auf der Suche nach Spiritus.

 

Der sich in den Abgrund stürzte,

hatte für Ruhe gesorgt und sie uns vom Leib

gehalten - bis zuletzt, hier, am Rande der Ortschaft.

 

Kein Weib war schärfer auf mich als

die heilige Priscilla von Auchy.

Mein Herz stand in Flammen ...

Als es endlich soweit war,

verlor sie ihre schwarze Perücke

und aller Zauber war verflogen.

 

Wir fanden das verlorene Mädchen in einem Stollen

und sprengten den Riegel ... sie war noch am Leben.

Ich schreibe fortan im Haus meiner Mutter;

dort besitze ich noch ein Zimmer im ersten Stock.

 

Ich notiere dies, während ich unter dem

Einfluss einer Geschichte stehe; ich stehe ständig

unter dem Einfluss von Geschichten – wie andere

Menschen unter Drogen, Alk., Medikamenten

et cetera stehen.

 

Lesen ist auch eine Droge, wenngleich relativ

harmlos und ungefährlich. - Man bekommt

höchstens Kopfschmerzen und verdirbt

sich bei die Augen schlechtem Licht.

Der Krimi heißt: „Piesberg in Flammen“;

ich fraß ihn in einem Rutsch;

und in weniger als fünf Stunden.

Er hielt mich mächtig in Atem.

 

Gebt nicht allzu viel auf dieses Gedicht,

in Wahrheit war alles ganz anders:

viel spannender und mit – nicht nur

unterschwelliger – Erotik. Es wurde

leider auch nicht gespart – an Gewalt.

 

Ach, Feuer – noch tiefere Wunden

rissen mir jene Worte,

die du mir nie sagtest.

 

 

 

 

 

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