August Sonnenfisch

DIE FLUT DER GEDANKEN (“Ich denke, also bin ich“)




 
Die Flut der Gedanken

René Descartes schon sagte: "Ich denke, also bin ich"

............................................................



Der Genius des Verstandes erschafft
und erschafft!
Er kreiert und kreiert!
Er entdeckt
und entdeckt!

Doch wie oft übertritt er seine Ufer:
Ufer, die
auch ihm
von den Göttern gesetzt:

Er überflutet die Intuition,
er verhagelt
das Gefühl,
er überschwemmt
das innere Kind und
die Essenz!
Gnadenlos. Fraglos.
Als ein Alleinherrscher sich
gebärdend.

*

Gleich jenem Kochtopf
im Märchen
der Gebrüder Grimm:
jenem Breitopf,
der süßen Brei gekocht und gekocht:
die ganze Küche voll,
das ganze Haus voll,
die Straße voll,
das ganze Dorf voll!

Weil die Mutter
sein Passwort
vergaß:
"Töpfchen steh still!"

*

Gleichermaßen sind auch wir
überschwemmt
vom Cinema der
Gedanken:
von rotierend kleingeistigen
Gedanken,
die uns
denken und denken!
Und unsere göttlichen Gedanken
vernebeln und verwehen!

"Wird die, ach, so Ersehnte 
auch kommen?
Mag sie mich
wirklich?
Wie wird wohl das Wetter?
Tanze ich gut genug?
Besser vielleicht gar als
die anderen?
Mögen meine Nächsten
mich? Oder gaukeln sie mir etwas vor?
Bin ich zu alt? Zu ungebildet?
Zu direkt?"


Und in dieser Flut
psychischer Gedanken aus unserem Ego
sind wir
ersoffen.
Tot.
Unsere Seele ersoffen in der Ratio
der Rationalität.

Und kaum jemand bemerkt's.

*

Ein gar wirkmächtiger Genius
ist der Verstand,
wenn schöpferische Gedanken vonnöten -
doch im Übergriff ein
quälender Quälgeist:
Wie er Gefühle entwurzelt!
Intuitionen entzaubert!
Die Essenz und
das innere Kind überwuchert
und ignoriert!

Ein Usurpator -
gleich Napoleon Bonaparte!

Die Despotie des Verstandes
in Wissenschaft und Alltag
schwoll
an ins
Unermessliche!

Doch kaum jemand weiß mehr das
Zauberwort:
"Spüre! Empfinde! Fühle"

*

Doch tagtäglich läuft uns ein Kind
über
den Weg:

Es hält inne - und es
durchleidet
seinen Schmerz,
es durchfreut seine Freude,
es durchzürnt seinen Zorn,
duchtrauert
seine Tauer!

Und es spürt, was gemimt:
welch Geistes Kind
das Schauspiel der großen Leute!


-------------------------------------

"So ihr
nicht werdet wie
die Kinder -
ist euch das Himmelreich
auf Erden
verschlossen!"


"So ihr
nicht werdet wie das innere
Kind in euch -
bleibt euch die Tiefe
des Seins
ein Buch, das
versiegelt
mit sieben Siegeln!"


Matthäus 18






(c)  August Sonnenfisch, 5. Juni 2013 ff

...............................................................................

Und für seinen Übergriff auf Intuition,
Essenz, inneres Kind und Gefühl
beansprucht der Ego-Mind
dann pikanterweise unsere Toleranz ...

Doch das Dasein ist zugleich rational
und irrational (= voller Seele) -
und bei weitem mehr irrational als rational.

 

 

MATTHÄUS 18, 1-5:

Die Jünger fragten Jesus von Nazareth:
"Wer ist der Größte im Himmelreich?"
Jesus rief ein Kind zu sich,
stellte es mitten unter sie und sprach:
"Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder,
so kommt ihr nicht ins Reich Gottes.
Wer sich anscheinend selbst erniedrigt
und wird wie dies Kind,
der ist im Himmelreich.
Und wer ein Kind aufnimmt in meinem Namen,
der nimmt mich auf!"

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BRÜDER GRIMM:

Jacob Grimm (1785 -1863)+ Wilhelm Grimm (1786 -1859):

"KINDER und HAUSMÄRCHEN".

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RENÉ DESCARTES:

Der Wissenschaft des 17. Jahrhunderts
wurde es zur Voraussetzung,
dass Realität objektiv sei.
Damit wurde die Trennung des abstrakten Denkens
vom Erleben etabliert:
Was man nicht sehen und nicht messen konnte,
existierte für die Wissenschaft mitnichten:
seelische Vorgänge wurden so als
unwissenschaftlich abgetan.
Es war René Descartes (1596-1650),
welcher das philosophische Fundament
dafür zementierte:
Für ihn war der ideale Mensch
ein leeres Subjekt,
welches allmählich mit Objetivität
gefüllt werden müsse.
Der finnische Theologe und Philosoph
Aarne Johannes SIIRALA (1919-1991)
fasste die Intention von Descartes im Jahr 1964
wie folgt zusammen:
"Der Mensch muss lernen, seine Beziehung zur Kindheit
abzuschneiden und zu vergessen."

(Aus Arno Gruen: "Der Verlust des Mitgefühls", 1997)
August Sonnenfisch, Anmerkung zum Gedicht

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