Inge Hornisch

Septemberzeit

Die Sommeruhr geht herbstzeitig
mit langen Schatten unter Kastanien,
mit dem Fall gelber Birnen ins
Sonnengras zu violetten Zeitlosen
und mit dahlienbunten Schrebergärten.

Der Herbst holt seine Palette heraus
und bemalt liebevoll Blatt für Blatt
mit Buchengelb und Ahornrot,
taucht Gleditschien in Goldfeuer,
Linde und Ginkgo in Honigtöne.

Auf die Wiesen tupft er Storchschnabelblau
und letztes Mohnrot, verziert sie mit rosa
Majoran, himmelsfarbenen Wegwarten,
den Glutsternen des Habichtskrauts sowie
den Purpurfackeln des Blutweiderichs.

In grüne Weidenschleier streut er Goldflitter,
lässt in ihrem Schatten die gelbe Blässe
von Nelkenwurz und Leinkraut erscheinen,
holt weiße Nachtschattenblüten aus seiner
Zauberkiste und küsst bleiche Taubnessellippen.

Am Bach zaubert er rosige Springkrautträume,
bräunt filigrane Schilfrispen und welke Dolden
und macht die Apfellichter in den Bäumen an,
denn Septemberzeit bedeutet die Reifezeit
leuchtenden Obstes und praller Kürbisse.

© Inge Hornisch

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 13.09.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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