Ingo R. Hesse
Ach wär' ich doch nur halb so gut!
Es ist nun mal kaum zu vermeiden,
Dass ich an manchem schönen Tag,
Auf Menschen treffe, die zu leiden
Ich wirklich, ehrlich nicht vermag.
Ich frag‘ mich dann in meiner Seele,
Warum der Trottel mich so stört.
Warum ich mich so maßlos quäle,
Und warum Dummheit mich empört.
Und jedes Mal fällt mir aufs Neue,
Dazu die klare Antwort ein:
Weil ich mich schon ein wenig scheue,
Gleich soviel klüger doch zu sein.
Ein hartes Los ist meine Güte,
Viel edler sein als manches Weib,
Und dazu noch so attraktiv,
Mit Perfektion an Herz und Leib.
Auf Knien würden manche beten,
Nur einmal so wie ich zu sein.
So sicher nicht nur aufzutreten,
Weil einfach gut in Mark und Bein.
Doch dieser Glanz ist manchmal Last,
Weil Dumpfheit und die Bitternis,
Mich offensichtlich innig hasst,
Was oft ihr einzig Freude ist.
Die Perfektion verpflichtet mich,
Sie ist ein hartes Erbe.
Als Maß und Ziel unweigerlich
So gut sein bis ich sterbe.
Das hat das Schicksal mir bestimmt.
Ich beuge mich der Obrigkeit.
Und wer sich mich zum Vorbild nimmt,
Bringt es im Leben vielleicht weit.
Ach wäre ich nur halb so wichtig,
Und könnte mich in Dummheit suhlen!
Dann hielt‘ auch ich vielleicht für richtig,
Um Achtung bei mir selbst zu buhlen.
Doch werde ich wohl niemals hassen,
Denn mir fehlt jeder Grund für Neid.
Ich werd‘ mich weiter hassen lassen,
Von Menschen, die niemals so weit.
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 23.10.2017.
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