Margit Farwig

Baumgedanken

  •  

    Einst stand ich im grünen Blattgewand
    schaute stolz ins weite, weite Land
    ich fühlte, wie die Säfte stiegen
    sah auch im Herbst die Blätter liegen

    und im Winter hielt ich stille aus
    wusste ich, ich schlief im eignen Haus
    die Vögel sangen Liebeslieder
    die Pärchen sanken an mir nieder

    schnitzten in meine Rinde Herzen
    neckten sich liebevoll in Scherzen
    auch Nager mit den spitzen Zähnen
    möchte ich gerne noch erwähnen

    ins Wurzelwerk meiner Gebeine
    grub sich die Rötelmaus, die kleine
    auf allen Ästen wurd’ gesprungen
    in höchste Höhen sie gedrungen

    die Eichhörnchen und auch die Käfer
    man hör’ und staune, die Siebenschläfer
    doch plötzlich durchzuckten mich Blitze
    Himmel erhalt mich, sah durch Ritze

    ich wurde zerstört so nach und nach
    mir halfen nicht Klagen, nicht Weh und Ach
    schickte mich demütig ins Leiden
    sah die Blätterpracht von mir scheiden

    letztendlich steh’ ich verletzt, bin nackt
    wiege mich nicht im Wind, es knackt
    winde mich kaum im Wettergebraus
    in Gedanken, will nur noch nach Haus

    © Margit Farwig

 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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