Patrick Rabe

Alte Sonne

 

Streichel mich, alte Sonne,

willst du nicht meine Freundin sein?

Ein Tag beginnt, ein andrer geht

in deinem milden Schein.

 

Im Herbst liegt Kraft, mein Mädchen,

in deinem Blut fließt rotes Gold,

das schenktest du dem Christuskind,

da lächelte es hold.

 

Die Nacht deckt alle Lande,

die Kerze schenkt uns tröstlich Licht,

wenn du erscheinst, dann neiget sich

die Welt deinem Gesicht.

 

Ich seh dich als den Wanderer,

nicht als den alten, toten Mann,

der noch am Kreuz hängt und kein Wunder

an uns mehr vollbringen kann.

 

Im bunten Blätterweben,

da spielt ein glücklich liebend' Kind,

das trägt kein Weh, kein Herzeleid,

das ist, wie frohe Kinder sind.

 

Willst du nicht meine Freundin sein?

Wir heiraten noch heut, mein Schatz!

Trag einen Brautkranz nur für mich,

bei mir, da ist dein Platz!

 

Streichel mich, alte Sonne!

Willst du nicht meine Liebste sein?

Die Nacht vergeht, der Tag beginnt,

in deinem milden Schein.

 

 

 

 

 

© by Patrick Rabe

27. Oktober 2017, Hamburg.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 28.10.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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Die Glaubens-und Liebesgedichte von Patrick Rabe sind mutig, innig, streitbar, vertrauens- und humorvoll, sie klammern auch Zweifel, Anfechtungen und Prüfungen nicht aus, stellen manchmal gewohnte Glaubensmuster auf den Kopf und eröffnen dem Leser den weiten Raum Gottes. Tief und kathartisch sind seine Gedichte von Tod und seelischer Wiederauferstehung, es finden sich Poeme der Suche, des Trostes, der Klage und der Freude. Abgerundet wird das Buch von einigen ungewöhnlichen theologischen Betrachtungen. Kein Happy-Clappy-Lobpreis, sondern ein Buch mit Ecken und Kanten, das einen Blick aufs Christentum eröffnet, der fern konservativer Traditionen liegt.

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