Hartmut Wagner

Tourina und der Touri auf Mallorca im Oktober 2017

Was machen die Tourina und der Touri auf Mallorca

im Oktober denn den ganzen lieben langen Tag?

Zwischen acht und neun, der Tag erwacht allmählich,

joggen die eine oder auch der andere

gemächlich durch die malerische Gegend.

 

Pferdeschwänze und Brüste wippen, Hüften kreisen.

Sehr wohl geformte oder platte Füße knirschen

auf den vielen kleinen Steinchen

des schmalen Wegs am Meer entlang

an mancher schmalen oder breiten Bucht vorbei.

 

Pulsmesser, Registrierer wichtiger Körperdaten,

prangen am rechten oder linken Arm.

Die Dinger, unverzichtbar,

sind bisweilen groß

wie kleine Tablet-Personal-Computer.

 

Schläfrig glitzern Sonnenstrahlen silbrig

Kanaldeckel aus Eisen, Platten aus Stein und graue Felsen an.

Lehmwasser befüllte Pfützen sprenkeln ab und zu.

wie Sommersprossen gelb den Boden.

Sehr langsam rollt der rote Sonnenball aus seinem Bett.

 

Und das Hotelbüffet zum Frühstück, welch ein Hammer!

Touri, Tourina wissen angesichts der Fülle weder ein noch aus.

Nehm ich ein Spiegel-, Rührei, Schinken oder Spargel, Birne?

Rote und grüne Trauben, Auberginen, Gurken und Tomaten?

Am Ende drückt ein übervoller Magen!

 

Ein wenig später protzt die Kaufmeile zur Cala Guya

schon wieder schrill mit einem Angebot.

Das nutzen die Turina und der Turi gern.

Für nur zwei Komma achtzig Euro gibt es

Kaffee, Kakao oder auch Sahne, genau so viel, wie jeder will.

 

Dazu ein Stückchen, ach, ein riesiges Stück Kuchen,

Schwarzwälder-Kirsch- bzw. Erdbeertorte, mächtig prächtig.

Noch viele andere Zuckerbomben locken prall in Blitzeblankvitrinen.

Touri und Tourina verleiben davon dankbar Manches

mit Eifer und mit Sahne ihren rundlichrunden Körpern ein.

 

Außer den Kuchenkrümeln, Servietten, Aschenbechern, Kaffeetassen

bedecken Smartphones, Tablets, Handys Tisch um Tisch.

Tourist, Tourina mailen, chatten, phonen, twittern, schießen Fotos:

Hier, siehst du diese leckere Erdbeertorte?

Die schicke Frau hier unten, das bin ich.

 

Da stehe ich im neuen Strandumhang neben Klaus-Jürgen,

braun und schlank, mit teurer Sonnenbrille, gelb verspiegelt,

dahinter noch ein Stückchen blaues Meer.

Ach, ist das schön hier! Möchte gar nicht mehr nach Hause!

Aber, wie schrecklich! Morgen ist es schon so weit. Wir fliegen ab.

 

Die Promenade zwischen Strandhotel und Hafen schmücken

dicht am Wasser zahlreiche Figuren, metallen, rostig,

doch gelegentlich auf Glanz poliert, eindimensional, so flach.

Miguel Sarasate schuf sie und platzierte sie an ihren Ort.

Sie streben stürmisch, heiß dem Meer, dem Himmel weit entgegen.

 

Mann, welche Promenadenkunst! Besonders zwei der Statuen!

Eine Tänzerin, ein Tänzer, Tor zum weiß mit Gischt gekrönten Silbermeer.

Das Riesenpaar aus rostigem Metall schießt steil empor, fast schwerelos,

zu Sehnsuchtsorten! Und tanzt, umarmt sich und die ganze Welt.

Turina und Tourist, sie schauen, staunen: „Dass es sowas gibt!“

 

Ein dicker fetter Mops, circa fünf Tonnen schwer,

rollt elegant auf einem dünnen Skateboard

aus einer Kneipentür aufs Promenadenpflaster,

stößt fröhlich hohe Kläffertöne aus.

Die Promenierer wundern sich, kichern und lachen, spenden Beifall.

 

Doch da! Der Fleischklops und sein Brett sind hart gelandet.

Vor einem Bordstein endete die lebensfrohe Fahrt.

Der Hund knurrt wütend, schnappt das Brett mit spitzen Zähnen,

steigt wieder auf, fährt mutig weiter, so, als wäre nichts gewesen.

Alle Gaffer klatschen.Das war mal was, ein kostenloser Spaß!

 

Dann ein Tag, ein Tag aus Sonne, Wasser, Wind, Sand, Sternen, Meer!

Auf Elektrofatbikes, ja, denen mit den superdicken Reifen,

erklimmen der Tourist und die Tourina in Artá die stolze Burg.

Ausgangspunkt war die Son Moll-Bucht am Hotel Haus Clumba.

Ziel ist die Ermita Betlém, ganz, ganz einsam, oben in den Bergen.

 

Jetzt sitzen unsere Zwei im Café San Salvador in Artás hoher Festung

vor zwei hellen Weizenbieren und je einem Hirtenkäse-Bocadillo.

Gar keine Frage, wie das schmeckt. Sehr gut!

Einige Katzen schleichen lautlos um Touristenbeine,

erbetteln Käse, Brot und andere Leckerbissen und die Sonne brennt.

 

Ein ganz besonders schöner Rassekater, gelbes Fell und blaue Augen,

lümmelt frech auf einem Stuhl für Kaffeegäste.

Sein langer Schwanz pendelt und schwingt von rechts nach links.

Ein niedliches, vielleicht fünf Jahre altes kleines Mädchen

sieht all die vielen Katzen, freut sich, strahlt und hüpft und springt.

 

Ruft fröhlich: „Katzen, Pappa! Katze, Katze, Mamma!

Und läuft im Kinderwackelgang ganz eilig auf die Katzen zu.

Erblickt sogleich die schicke Katze auf dem Stuhl,

ist völlig aus dem Häuschen vor Liebe, Zuneigung, Begehren

und will streicheln, kuscheln, fühlen, lieben. Was noch alles!

 

Doch das Tier, die Katze, nicht.

Wie der Blitz schlägt eine spitzig-scharfe Krallentatze

mitten auf dem hübschen, süßen Näschen

unserer verliebten, jungen Katzenfreundin ein.

Die schreit sehr laut und weint und weint.

 

Ich will zu meiner Mamma! Mamma! Mamma!“,

verletzt in ihrer Seele und auch an der Nase.

Tourina und Tourist bedauern mitleidig das Opfer.

So eine äußerst böse, schlechte Katze aber auch!

Liebe, sie erntet manchmal Hass. Ach, traurig ist das Leben!

 

Dann Abschied von der Burg und in die Fahrradsättel.

Elektrisch fliegen unsere Beiden S-Kurvenstraßen rasch empor.

Acht Kilometer aufwärts, danach tausend Meter rasend schnell hinunter.

Schon ist man da, am einsam stillen Kloster.

Doch, wie man weg kommt, weiß man nie.

 

Unser Tourist, trotz dicker Reifen, hat zwei Platten, vorne, hinten.

Wie das? Das gab es vorher nie! Der Radverleiher äußert laut am Handy:

Kann Sie nicht holen! Auto streikt!“ Der Touri will kein Taxi zahlen.

Schickt die Tourina solo zum Hotel zurück. Das schafft er schon!

Die dreißig Kilometer nur. Zu Fuß fünf km/h. In gut sechs Stunden ist er da.

 

Jetzt zeigt die Uhr exakt gerade Drei. Um neun Uhr abends kommt er an.

Das reicht sogar zum Abendessen noch. Er macht sich mutig auf den Weg.

Zuerst den Kilometer aufwärts, Mühe, Schweiß und Plage!

Doch dann fast mühelos acht Kilometer Rest bergab noch bis Artá.

Sieben Kilometer in der Stunde beinahe ohne Kraftaufwand im Schnitt.

 

Da ragen, fern am Wege noch,

Artá, die Burg dem Touri gipfelig entgegen.

Er hofft, sieht links ein schmales Sträßchen. Abkürzung!

Die führt zur Hauptstraße und sicher ins Hotel. Er biegt ab.

Doch der verheißungsvolle Weg entpuppt sich. Eine Sackgasse!

 

Mit letzter Kraft kehrt unser Touri um. Das wird nichts mehr, zu Fuß zurück!

Wieder Artá und Burg. Ein Schluck Wasser. Lauwarm, widerlich!

Da hält ein Auto, Kennzeichen Berlin! Die Rettung! Frau und Mann.

Der Mann steigt aus. Er und der Touri packen Fatbike ein. Sie fahren los.

Und pünktlich im Hotel am Abend schlemmen Touri und Tourina am Büffet.

 

Auf der Zunge noch Genuss des Abendessens,

ein weiteres Mal sehr üppig ausgefallen,

dann im Schlendergang zum Absacker ins Nautilus am Hafen.

Tourina Wasser mit Zitrone, Touri einen Café mit Milch wie immer.

Doch zuvor, da bietet auch die Promenade was.

 

Dort, wo sie fast im rechten Winkel um eine runde Ecke läuft,

da ist was los, im Wasser, klar wie blaue Luft.

Ein junger Kormoran, sehr schwarz befiedert, ebenso beseelt,

jagt winzig kleine Fische, einen ganzen Schwarm, der ihn veräppelt.

Zahllose Kurven, eng und gierig, zischt der Vogel hinter seiner Beute her.

 

Doch zum Glück vergebens! Für die Fische, nicht für ihn!

Ständig aufs Neue taucht und schwimmt er Mordattacken!

Aber die Fische reagieren mit der Klugheit ihrer Schwärme.

Locken das mörderische Tier, entwischen ihm mit eleganten Haken.

Der Kormoran gibt auf. Er fliegt davon. Fische, Touristen freuen sich.

 

Nur noch der letzte vor dem Tag der Heimkehr aus dem Paradies.

Da geht es früh zur herrlich grünen Bucht der Cala Guya, waldumsäumt.

Zahllose Kinder wirbeln dort am Strand und bauen Burgen, Dämme.

Händler bieten geschäftstüchtig sehr gelbe Mangos an.

Das Stück vier Euro, wirklich gar nicht teuer!

 

Nachdem im durchsichtigen und lichten Wasser kleine Fische

Tourinas und des Touris Füsse zärtlich angeknabbert haben,

besteigen diese Zwei zum Abschied ihren Hausberg,

den ganz oben eine Turmruine ziert.

Bei klarer Sicht erblicken sie Menorcas weißen Strand.

 

Beim Abstieg auf der andern Seite, hin zur sandigen Mesquida,

begleiten die Tourina und den Touri zänkisch laute Stimmen.

Ein Pärchen in den besten Jahren streitet über Weg und Steg,

und sie bemerkt: „Hier geht es her. Du hast doch keine Ahnung!“

Er antwortet darauf: „Ich weiß. Du hast wie immer recht.“

 

Doch dann dreht die Natur zum stürmischen Finale auf.

Riesige Brecher weiß gesäumt mit Schaumschnee tosen, brausen,

bilden kraftvoll schneeig halbe Wasserkreise,

rasen sehr hoch auf Pulversand und Kinderdämme.

Nur Surfer flitzen froh dahin.

 

Am nächsten Morgen packen unsere Zwei die Sachen in die Koffer.

Tourina und Tourist sind äußerst traurig, weinen fast.

Kellner und Kellnerin, dem Zimmermädchen und der Rezeptionistin

erfreut ein ziemlich dickes Trinkgeld Herz und Seele.

Die Sonne glüht. Es rauscht das Meer und Menschen lachen, singen.

 

Durch alle Wälder werden weiter Lieder wehen,

deren Sinn nur Pinien genau verstehen.

Am Flughafen in Dortmund graue Regenluft

und Land und Leute tragen schon Oktoberkluft.

Tourina und der Touri träumen vom Mallorcaduft.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 30.10.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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